Fachkräfte aus aller Welt für den Schwarzwald
Wie Unternehmen und Behörden gemeinsam internationale Talente gewinnen und integrieren

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Die Sicherung qualifizierter Fachkräfte ist eine der größten Herausforderungen für die regionale Wirtschaft. Am 24. November trafen sich rund 40 Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk und Dienstleistungssektor am Campus Schwarzwald zu einem Fachdialog, um über aktuelle Strategien und Erfahrungen zur Fachkräftesicherung aus dem Ausland zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde in Kooperation der Stadt Freudenstadt, des Landkreises, der Agentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft und des Welcome Centers der IHK Nordschwarzwald organisiert.
Demografischer Wandel und seine Folgen
Der demografische Wandel stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Oberbürgermeister Adrian Sonder machte deutlich, dass angesichts sinkender Geburtenraten auf absehbare Zeit nicht mehr genügend nationale Fachkräfte zur Verfügung stehen werden. Sonder betonte:
„Die Rechnung ist auf Basis der Geburtenraten simpel: Wir brauchen Fachkräfte – und zwar in ausreichender Zahl auch aus dem Ausland. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wird unser Land in Zukunft nicht funktionsfähig sein.“
Besonders in der Pflege und in dienstleistungsorientierten Wirtschaftszweigen ist der Trend bereits Realität: Internationale Fachkräfte prägen viele Arbeitsalltäglichkeiten und sorgen für Stabilität sowie neue Impulse.
Synergien nutzen – Der Schlüssel liegt im Dialog
Tobias Rapp von der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim hob hervor, wie entscheidend es sei, bestehende Synergien systematisch zu nutzen und Unternehmen miteinander zu vernetzen:
„Entscheidend ist es, Synergien im Kreis konsequent zu nutzen. Wenn Unternehmen vergleichbare Bedarfe haben, sollten sie aktiv aufeinander zugehen – wir entwickeln gemeinsam mit unserer Auslandsfachabteilung passgenaue Wege, um diese zu decken.“
Die Agentur für Arbeit legt besonderen Wert auf den Dialog mit Unternehmen und bietet Unterstützung, um maßgeschneiderte Lösungen zur Fachkräftegewinnung zu entwickeln.
Praxisbeispiele aus Freudenstadt
Malerbetrieb Kübler: Gelebte Willkommenskultur
Der Malerbetrieb Kübler aus Musbach ist bereits seit Jahren in der internationalen Rekrutierung aktiv. Thomas Kübler stellte klar, dass das Bild von "günstigen Arbeitskräften" überholt ist:
„Dieses Bild ist überholt. Wir müssen uns anstrengen, weil Menschen ganz dringend gebraucht werden.“
Der Betrieb engagiert sich weit über das Übliche hinaus: Mitarbeiter erhalten Zugang zu firmeneigenem Wohnraum und dürfen an langen Wochenenden Fahrzeuge nutzen, um ihre Familien zu besuchen. Kübler betont, wie wichtig Offenheit gegenüber anderen Ausbildungssystemen ist – von denen auch deutsche Unternehmen profitieren können.
Oberlinhaus: Erfolgreiche Qualifizierung internationaler Fachkräfte
Das Oberlinhaus ist ein regionales Best-Practice-Beispiel für die gezielte Rekrutierung und Integration internationaler Fachkräfte. Wolfgang Haug, stellvertretender Campusleiter, beschreibt die mehrstufige Unterstützung:
„Wir rekrutieren direkt vor Ort in Indien und Vietnam, arbeiten dort eng mit Partneragenturen zusammen, bevor die Fachkräfte nach Freudenstadt kommen. Wir bieten ein halbes Jahr sozialpädagogische Begleitung, damit sie sich gut zurechtfinden. Unser Mentorenprogramm sorgt dafür, dass Absolventinnen und Absolventen neue Ankommende an die Hand nehmen.“
Die Vielfalt der Kulturen wird als echte Bereicherung empfunden.
Lizergy: Kulturelle Vielfalt als Erfolgsfaktor
Simon Hänel von Lizergy betonte: „Wenn verschiedene Kulturen und Perspektiven zusammenkommen, entsteht für das ganze Team ein echter Mehrwert.“
Beratung und Unterstützung durch das Welcome Center
Michaela Thoma vom Welcome Center Baden-Württemberg unterstrich die Rolle des Zentrums als wichtiger Ansprechpartner in Anerkennungsfragen, Bewerbungsprozessen und bei sämtlichen Formalitäten:
„Wir verstehen uns als Lotse – sowohl für Arbeitgeber als auch für internationale Fachkräfte. Wir begleiten Unternehmen bei Anerkennungsfragen, der Einschätzung internationaler Bewerbungen und unterstützen ganz pragmatisch beim Ausfüllen von Formularen.“
title="Welcome Center Baden-Württemberg"
subtitle="Beratung und Unterstützung für Unternehmen und internationale Fachkräfte"
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Bürokratische Hürden und Unterstützungsinstrumente
Trotz vieler positiver Erfahrungen bleibt Bürokratie ein zentrales Hemmnis. Alle Beteiligten wünschen sich kürzere Bearbeitungszeiten und weniger komplexe Formalitäten bei der Anerkennung und Einstellung ausländischer Fachkräfte. Tobias Rapp von der Agentur für Arbeit weist in diesem Zusammenhang auf die zur Verfügung stehenden finanziellen Unterstützungsinstrumente hin, die Unternehmen die Akquise und Integration internationaler Mitarbeiter erleichtern sollen.
Abschluss und Ausblick
Ralf Bohnet, Wirtschaftsbeauftragter des Landkreises, brachte es zum Abschluss auf den Punkt und ermutigte: „Menschen Chancen bieten, um selbst Möglichkeiten zu kreieren.“ Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und nachhaltig die Fachkräftesicherung aus dem Ausland bereits heute gestaltet werden kann – und wie wichtig Offenheit, Dialog und konkrete Unterstützung in der Praxis sind.
Die Diskussionsrunde wurde von Persönlichkeiten wie Elke Latscha, Tobias Rapp, Michaela Thoma, Simon Hänel, Thomas Kübler, Hartwig Hils und Wolfgang Haug getragen – sie alle stehen für innovative Ansätze beim Thema Fachkräftesicherung. Die zentrale Botschaft: Gemeinsam können regionale Unternehmen und Institutionen dem Fachkräftemangel wirkungsvoll begegnen.
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