Freudenstadt und Altensteig planen gemeinsame Kooperationsgesellschaft mit Stadtwerken
Ziel ist eine gebündelte Zusammenarbeit für ausgewählte Dienstleistungen zur langfristig wirtschaftlichen und sicheren Daseinsvorsorge im Nordschwarzwald

Die Städte Freudenstadt und Altensteig wollen gemeinsam mit ihren Stadtwerken eine Kooperationsgesellschaft gründen. Nach Angaben der beiden Kommunen soll damit ein Meilenstein in der interkommunalen Zusammenarbeit erreicht werden. Ziel ist es, ausgewählte Aufgaben künftig gemeinsam zu bündeln und so die Grundlage für eine langfristig leistungsfähige, wirtschaftliche und sichere Daseinsvorsorge im Nordschwarzwald zu schaffen.
Stadtwerke sollen ausgewählte Aufgaben gemeinsam übernehmen
Die neue Kooperationsgesellschaft soll zentrale Dienstleistungen für beide Stadtwerke übernehmen. Genannt werden insbesondere die Bereiche Netz und Technik, Beschaffung und Vertrieb, Informationstechnologie, Shared Services sowie weitere Dienstleistungen. Durch die Bündelung sollen Prozesse effizienter werden, Mitarbeitende sich stärker spezialisieren können und Vertretungsregelungen bei Urlaub oder Krankheit stabiler werden. Außerdem wollen die Partner Digitalisierung und Standardisierung vorantreiben und die Organisation insgesamt widerstandsfähiger aufstellen.
Für Kundinnen und Kunden soll sich nach Angaben der Städte nichts ändern. Beide Stadtwerke sollen eigenständige kommunale Unternehmen mit ihren bekannten Marken, ihren Mitarbeitenden, ihren Netzen und ihrer regionalen Verankerung bleiben. Die Kooperation diene dazu, die Leistungsfähigkeit beider Unternehmen nachhaltig zu stärken und ihre Zukunftsfähigkeit auszubauen.
Breites Versorgungs- und Dienstleistungsangebot in der Region
Die Stadtwerke Freudenstadt und Altensteig beschäftigen gemeinsam rund 157 Mitarbeitende. Beide Unternehmen bieten ein breites Portfolio an Versorgungs- und Dienstleistungen. Dazu zählen Strom, Erdgas, Trinkwasser, Wärme und Telekommunikation.
Die Stadtwerke Altensteig betreiben darüber hinaus die örtlichen Bäder und ein Parkhaus. Zudem bieten sie Dienstleistungen in Form von Betriebsführungen sowie Contractingmodellen an und unterhalten einen Installationsbetrieb mit einem breiten Angebotsspektrum, insbesondere für PV-Anlagen, Batteriespeicher und Ladesysteme für die Elektromobilität.
Das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Freudenstadt umfasst neben der Kernstadt mit ihren Stadtteilen auch Loßburg, Seewald und Dornstetten. Die Stadtwerke Altensteig versorgen die Stadt Altensteig und die umliegenden Ortschaften. Nach Darstellung der Städte tragen beide Unternehmen mit ihrem umfassenden Leistungsangebot wesentlich zur Lebensqualität und zur wirtschaftlichen Entwicklung im Nordschwarzwald bei.
Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen
Als Gründe für die vertiefte Zusammenarbeit nennen die Städte deutlich veränderte Rahmenbedingungen für kommunale Energieversorger. Seit der Liberalisierung des Energiemarktes seien Geschäftsprozesse komplexer geworden. Hinzu kämen umfangreiche regulatorische Vorgaben der Bundesnetzagentur und der Landeskartellbehörden, steigende Anforderungen an moderne IT-Systeme sowie die fortschreitende Digitalisierung.
Gleichzeitig erfordere die Energiewende erhebliche Investitionen in Strom- und Wärmenetze, erneuerbare Erzeugungskapazitäten und digitale Infrastrukturen. Auch die Folgen der Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und weiterer geopolitischer Entwicklungen hätten den Energiemarkt in den vergangenen Jahren stark beeinflusst. Parallel dazu gewinne die Gewinnung und langfristige Bindung qualifizierter Fachkräfte zunehmend an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund hätten die Stadtwerke Altensteig und Freudenstadt in den vergangenen Monaten verschiedene Möglichkeiten einer vertieften Zusammenarbeit untersucht. Dabei sei es darum gegangen, Synergien zu erschließen, Kompetenzen zu bündeln und zugleich die Eigenständigkeit beider Unternehmen langfristig zu sichern.
Erwartete Vorteile der Kooperation
Zu den erwarteten Vorteilen zählen nach Angaben der Partner eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen, die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, die Bündelung von Fachwissen, eine höhere Innovationskraft und eine weitere Optimierung der Geschäftsprozesse. Außerdem soll die Kooperation das Risikomanagement verbessern, die Ausfallsicherheit erhöhen und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden eröffnen.
Zudem werden nachhaltige wirtschaftliche Einsparpotenziale erwartet. Diese sollen nach Darstellung der Städte sowohl den Unternehmen als auch deren Kundinnen und Kunden zugutekommen.
Kommunale Eigenständigkeit soll erhalten bleiben
Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Freudenstadt, bezeichnet die geplante Kooperationsgesellschaft als starke Grundlage, um die Energieversorgung der Region langfristig wirtschaftlich, sicher und zukunftsfähig aufzustellen. Zugleich hebt er hervor, dass die politischen Weichenstellungen gemeinsam mit Altensteigs Bürgermeister Oliver Valha und den zuständigen Gremien erfolgen sollen.
Oliver Valha betont, beide Stadtwerke verbinde seit vielen Jahren ein gemeinsames Verständnis von kommunaler Verantwortung und Kundennähe. Die Kooperation ermögliche es, Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen, ohne die regionale Identität und die Eigenständigkeit beider Unternehmen aufzugeben.
Auch die Werkleitungen beider Stadtwerke sehen in dem Vorhaben einen konsequenten Schritt. Günther Garbe, Technischer Werkleiter der Stadtwerke Altensteig, verweist auf wachsende Anforderungen durch Digitalisierung, regulatorische Vorgaben, Energiewende und Fachkräftemangel. Florian Weinhardt, Kaufmännischer Werkleiter der Stadtwerke Altensteig, hebt hervor, dass sich die jeweiligen Stärken beider Häuser gezielt verbinden ließen. Peter Günther, Geschäftsführer der Stadtwerke Freudenstadt, unterstreicht, dass es ausdrücklich nicht um einen Zusammenschluss beider Stadtwerke gehe, sondern um eine Zusammenarbeit dort, wo sie sinnvoll sei.
Badenova und Thüga streben Beteiligung an
Ein weiterer Vorteil der geplanten Gesellschaft liegt aus Sicht der Beteiligten im Zugang zum Beratungs- und Dienstleistungsportfolio der Thüga AG sowie der badenova AG & Co. KG. Beide Stadtwerke sollen damit von einem Netzwerk aus Expertenwissen, Erfahrungsaustausch und innovativen Lösungen profitieren, ohne ihre kommunale Eigenständigkeit aufzugeben.
Nach Angaben der Städte wollen sich auch Badenova und Thüga als starke und erfahrene Partner aktiv in die neue Kooperationsgesellschaft einbringen. Beide Unternehmen streben eine Beteiligung an der Gesellschaft an und wollen gemeinsam mit den kommunalen Partnern die Energieversorgung der Region zukunftssicher, wirtschaftlich und nachhaltig weiterentwickeln.
Mit der geplanten Gründung wollen die Städte Freudenstadt und Altensteig sowie ihre Stadtwerke nach eigenen Angaben ein klares Zeichen für die Zukunft der kommunalen Energieversorgung setzen. Ziel sei es, die Voraussetzungen zu schaffen, um den Herausforderungen der kommenden Jahre erfolgreich zu begegnen und Versorgungssicherheit sowie hohe Servicequalität für Menschen und Unternehmen im Nordschwarzwald dauerhaft zu gewährleisten.
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