Geldgeschichte in Freudenstadt: Von Taler und Hirschgulden bis zur Stabilität heute
Wie das Forum Bundesbank an lokaler Münzprägung und Krisenerfahrungen zeigte, warum „gutes“ Geld Vertrauen schafft und „schlechtes“ Geld Entwertung beschleunigt.

Freudenstadt nimmt nach Darstellung eines Vortragsabends im Rathaus einen festen Platz in der württembergischen Geldgeschichte ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung der Reihe „Forum Bundesbank“ standen Mehrfachtaler und Hirschgulden aus dem Christophstal sowie die Frage, welche Folgen „gutes“ und „schlechtes“ Geld in Krisenzeiten haben kann.
Möglich gemacht wurde der Abend von der Hauptverwaltung Baden-Württemberg der Deutschen Bundesbank und dem Landesmuseum Württemberg. Rund 80 Zuhörer verfolgten im Großen Ratssaal die Ausführungen der Referenten Dr. Hendrik Mäkeler, Spezialist für Geldgeschichte bei der Deutschen Bundesbank, und Dr. Matthias Ohm vom Münzkabinett des Landesmuseums Württemberg.
Vortrag mit lokalem Blick auf Geldgeschichte
Bürgermeister Wolfgang Fahrner eröffnete die Veranstaltung. Der Vortrag zeichnete anschließend eine Zeitreise durch die Geldgeschichte und durch die Geschichte Freudenstadts nach. Dabei wurde deutlich, dass nominaler Reichtum wenig nützt, wenn Geld seine Kaufkraft verliert.
Im Zentrum stand die Verbindung Freudenstadts, insbesondere des Christophstals, mit der Währungsgeschichte Württembergs. Nach Darstellung der Referenten waren sowohl der Hirschgulden als auch später gedrucktes Notgeld aus Freudenstadt Reaktionen auf schwere Staats- und Wirtschaftskrisen. Geprägt oder gedruckt wurde demnach dann, wenn zu wenig Geld im Umlauf war oder wenn Schulden finanziert werden sollten. Die dauerhafte Folge sei in beiden Fällen Geldentwertung und Inflation gewesen.
Hyperinflation und Notgeld in Freudenstadt
An einem Beispiel aus der Hyperinflation der 1920er-Jahre erläuterte Mäkeler die sozialen Folgen einer entwerteten Währung. Er zitierte aus den Erinnerungen von Gerhard Wünsch an dessen Dienstzeit als Direktor der Oberamtssparkasse Freudenstadt. Demnach konnten Schuldner einen Kredit über 20.000 Goldmark für den Hauskauf schließlich „im Tausch gegen ein Huhn“ zurückzahlen, während Gläubiger verarmten.
Gleichzeitig litten auch Kleinsparer, deren Ersparnisse in kurzer Zeit an Wert verloren. Nach Angaben des Referenten liefen die Druckerpressen Tag und Nacht, und am Ende wurden Banknoten mit Billionenwerten ausgegeben, für die sich dennoch kaum ein Laib Brot kaufen ließ. Neue Banknoten hätten nicht so schnell gedruckt werden können, wie sie benötigt worden seien.
Auch in Freudenstadt wurde damals Notgeld ausgegeben. Fünf Freudenstädter, deren Namen laut Pressemitteilung heute noch bekannt sind, stiegen in das lokale Geschäft mit dem Gelddrucken ein. Jeder Schein musste von Hand unterschrieben werden. Auf den Geldscheinen fanden sich neben Freudenstädter Motiven auch Hinweise auf andere Werte. So trug ein Schein den Satz: „Gott schütze allzeit unseren Wald.“ Am Ende folgte eine Währungsreform.
Der Hirschgulden als Beispiel für „schlechtes Geld“
Dass staatlich organisierte Geldentwertung keine neue Erscheinung ist, zeigte der Blick auf den Hirschgulden aus der Münzprägestätte im Christophstal. Die ältesten dort geprägten Silbermünzen stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Zu ihnen zählt der Hochzeitstaler von 1585, der anlässlich der Vermählung von Herzog Ludwig von Württemberg mit Ursula von Pfalz-Veldenz-Lützelstein geprägt wurde.
Für die 1620er-Jahre verwies Ohm auf die „minderwertigen Prägungen“ des Hirschguldens in der Regierungszeit von Herzog Johann Friedrich. Dass die Münzen abgegriffen wirkten, sei nicht auf Gebrauch zurückzuführen gewesen. Vielmehr seien die Stempel so lange eingesetzt worden, „bis die Stempel ganz flau waren“.
Hinzu kam die mindere Materialqualität. Der Hirschgulden wog nur einen Bruchteil eines richtigen Talers und bestand zuletzt nur noch zu einem Drittel aus Silber, der Rest aus Kupfer. Die Folge war ein massiver Kaufkraftverlust. Der Wert des Hirschguldens sank laut Pressemitteilung bald auf ein Sechstel. Mit dem Einsammeln dieses schlechten Geldes und einer Währungsreform habe der Herzog einen großen Teil seiner Schulden verloren.
Motive und Wirkung
Die Münzen aus dem Christophstal trugen neben dem Heiligen Christoph auch Motive aus Freudenstadt und aus dem Arbeitsalltag der Zeit, darunter „Haspelknecht“ und „Karrenläufer“ bei der Minenarbeit. Das ebenfalls abgebildete „Füllhorn“ wertete der Vortrag jedoch als Augenwischerei, denn die Silbervorkommen um Freudenstadt blieben weit hinter den Erwartungen zurück.
Der Vertrauensverlust durch diese Geldpolitik wirkte nach Darstellung der Referenten lange nach. Noch 200 Jahre später fand der Hirschgulden Eingang in Erzählungen und Literatur, etwa in „Das Wirtshaus im Spessart“ sowie in der Sage vom Hirschgulden, niedergeschrieben von Gustav Schwab und später von Wilhelm Hauff.
Lehre für die Gegenwart
Der Abend schlug auch einen Bogen in die Gegenwart. Der Zusammenhang von Krisenzeiten, politischer Instabilität und dem Umgang mit Geld sei heute eine Leitmaxime der Deutschen Bundesbank. Als zentrale Erkenntnis wurde formuliert, dass stabile Währungen von großer Bedeutung seien, um soziale und wirtschaftliche Verwerfungen zu vermeiden.
Kathrin Schulte-Südhoff, Präsidentin der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Baden-Württemberg, fasste das Ziel in Freudenstadt so zusammen: „Wir lassen unser Ziel nicht aus den Augen: eine Inflationsrate von zwei Prozent!“
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