Lahr erhält Verdienstmedaille für Gurs-Engagement
Auszeichnung würdigt Einsatz für den Erhalt des Deportiertenfriedhofs und die Erinnerung an NS-Opfer

Die Stadt Lahr wurde von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden mit einer besonderen Ehrung ausgezeichnet. Bei deren Neujahrsempfang am 28. September 2025 überreichte die Gemeinschaft die Verdienstmedaille an Lahr und 17 weitere Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zur Pflege des Deportiertenfriedhofs im südfranzösischen Gurs.
Ein Zeichen für Erinnerungskultur und Verantwortung
Die Auszeichnung würdigt das Engagement der Stadt Lahr beim Schutz und der Pflege des Deportiertenfriedhofs Gurs. Seit dem 1. Mai 2024 ist Lahr Teil der Arbeitsgemeinschaft, die sich der Bewahrung dieses bedeutenden Mahnmals verschrieben hat. Auf dem Friedhof erinnern 1073 Gräber an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors, darunter zahlreiche Menschen aus Lahr und Umgebung.
Die Verleihung der Verdienstmedaille erfolgte im Rahmen des Neujahrsfestes Rosch ha-Schana, das vom 22. bis 24. September 2025 gefeiert wurde. Erstmals hatte die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden Weggefährten und Partner zu dieser Feier eingeladen. Die Gemeinschaft zählt derzeit rund 10.000 Mitglieder in etwa 5.200 Haushalten. Zum Vergleich: Vor der Shoa existierten in Baden rund 100 jüdische Gemeinden mit über 20.000 Angehörigen.
Historische Hintergründe: Lahr und das Gedenken an Gurs
Der 22. Oktober 2025 markiert den 85. Jahrestag eines gravierenden Kapitels der deutschen Geschichte: Am selben Datum im Jahr 1940 wurden mehr als 6.500 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden, der Pfalz und dem Saarland deportiert. In Sonderzügen führte ihr Weg in das Internierungslager Gurs am Fuße der Pyrenäen. Alle transportfähigen Jüdinnen und Juden mussten mitkommen, darunter viele Kinder, alte und gebrechliche Menschen.
Auch Lahr war betroffen: 45 Menschen aus der Stadt wurden am 22. Oktober 1940 deportiert – 23 von ihnen wurden direkt aus Lahr verschleppt, die anderen lebten zu diesem Zeitpunkt bereits in anderen badischen Städten. Viele der älteren und geschwächten Deportierten überlebten den ersten Winter in Gurs nicht. Zwischen 1942 und 1944 wurde etwa ein Drittel der in Gurs internierten Menschen in die Vernichtungslager Majdanek, Sobibor oder Auschwitz deportiert.
Der Deportiertenfriedhof Gurs als Mahnmal
Der Deportiertenfriedhof in Gurs ist heute ein bedeutendes Mahnmal für die Erinnerung an das Lager und seine Opfer. Bereits 1945 wurde ein erstes Denkmal errichtet. Mit der Zeit verwilderte der Friedhof, doch durch eine gemeinsame Spendenaktion mehrerer badischer Städte und Gemeinden konnte die Anlage umfassend renoviert werden. Die bedeutendsten Städte – darunter Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Heidelberg und Pforzheim – verpflichteten sich zu gemeinsamer Pflege und Erhalt. Mittlerweile beteiligen sich zwölf weitere Städte sowie der Bezirksverband Pfalz an diesem Engagement. Lahr ist das jüngste Mitglied dieser Arbeitsgemeinschaft.
Eine seltene Auszeichnung
Die Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden wurde erst zum zweiten Mal verliehen. Zuvor wurde sie im Jahr 2010 an den damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrags der Israelitischen Religionsgemeinschaften mit dem Land Baden-Württemberg vergeben.
Stadthistorische Beteiligung und öffentliche Wahrnehmung
Bei der Verleihung nahm Rudolf Dörfler, ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters, die Auszeichnung für Lahr entgegen. Auch die Stadthistorikerin Elise Voerkel präsentierte die Medaille in der Öffentlichkeit. Das Engagement Lahrs wird in der Arbeitsgemeinschaft wie auch in der Region als wichtiges Zeichen für die dauerhafte Erinnerung und das verantwortungsvolle Gedenken wahrgenommen.
Die Ehrung durch die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden unterstreicht die Bedeutung der aktiven Erinnerungskultur in Lahr. Sie mahnt zur Aufarbeitung einer bewegten Vergangenheit und setzt ein wichtiges Signal für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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