Lahr kämpft gegen Ladenleerstand

IHK und Stadt starten Initiative zur Belebung der Innenstadt mit Förderungen und neuen Projekten

Lahr kämpft gegen Ladenleerstand
Fiktives KI-SymbolbildKI-generiert mit OpenAI · Herausgeber: Die Stadt Redaktion

Die Entwicklung der Lahrer Innenstadt steht im Zentrum einer umfassenden Initiative, die von der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) gemeinsam mit der Stadt Lahr vorangetrieben wird. Ziel ist es, die Attraktivität des Stadtzentrums zu stärken, Leerstände nachhaltig zu reduzieren und neue Impulse für Wirtschaft und Gemeinschaft zu setzen. Zwei Jahre lang begleitet das Team um Thomas Kaiser die Stadt, um die Innenstadt zukunftsfähig aufzustellen.

Bestandsaufnahme: Aktive und inaktive Flächen in der Lahrer Innenstadt

Die kürzlich abgeschlossene Erhebung der IHK zeigt ein differenziertes Bild: Von insgesamt 334 gewerblichen Flächen in Erdgeschosslage werden 290 aktiv genutzt, was einem Anteil von 84 Prozent entspricht. Gleichzeitig prägen sichtbare Leerstände weiterhin das Stadtbild und stellen eine Herausforderung für die weitere Entwicklung dar.

Mietpreisspanne und Herausforderungen

Die bestehenden Mietpreise schwanken zwischen sechs und 26 Euro pro Quadratmeter kalt. Während die Obergrenze als deutlich zu hoch bewertet wird, spiegeln niedrigere Preise oftmals den Investitionsrückstau und die Lage wider. Für eine nachhaltige Belebung plädiert die IHK-Beratung für einen Fokus auf systemrelevante Flächen, insbesondere entlang der Marktstraße, die als zentrale Einkaufsachse fungiert.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Leerstände

Leerstände sind nicht nur ein städtebauliches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts IFH Köln entgehen der Stadt pro nicht genutzter Fläche jährlich etwa 12.500 Euro an Einnahmen, vorwiegend aus Gewerbesteuern. Bei aktuell 44 Leerständen summiert sich dies zu einem Fehlbetrag von rund 550.000 Euro pro Jahr für Lahr.

Sanierungsgebiet, Fördermöglichkeiten und private Initiativen

Das Innenstadt-Programm Marktstraße fokussiert sich auf private Sanierungen. Von 126 gewerblichen Flächen im Sanierungsgebiet wurden bereits 19 Sanierungsanfragen gestellt. Städtebauliche Mittel stehen bereit, um Gebäude mit Modernisierungsbedarf zu unterstützen. In den kommenden Monaten plant das Stadtentwicklungs- und Stadtplanungsamt, Eigentümerinnen und Eigentümer aktiv über die Fördermöglichkeiten zu informieren.

Städtische Großprojekte sind erst für spätere Phasen vorgesehen – der Bewilligungszeitraum reicht bis 2033. Eine genaue Definition der Maßnahmen steht noch aus und wird in Abstimmung mit dem Gemeinderat erfolgen.

Förderprogramme und neue Impulse für die Innenstadt

Um die Lebensqualität und Vielfalt im Innenstadtgebiet weiter zu erhöhen, hat die Stadt Lahr einen Antrag auf das Landesförderprogramm „Nichtinvestive Städtebauförderung“ (NIS) gestellt. Angestrebt wird unter anderem die Einrichtung eines Verfügungsfonds, in den lokale Akteure aktiv eingebunden werden und über die Verwendung der Mittel für nichtinvestive Maßnahmen entscheiden können.

Kulturelle und temporäre Nutzungen

Geplant sind vielfältige Einzelprojekte zur Belebung des Stadtkerns, darunter ein temporäres Wasserspiel auf dem Rathausplatz und ein interkultureller Night-Food-Markt in Kooperation mit lokalen Vereinen. Darüber hinaus sollen leerstehende Flächen vorübergehend als Treffpunkte und Beratungsräume für verschiedene Zielgruppen dienen.

Innovative Ansätze: Solution Lab und Sichtbarmachung

Unabhängig von der Bewilligung des NIS-Antrags ist für Januar 2026 eine „Solution Lab“-Woche geplant. Rund zehn Studierende werden Ansätze erarbeiten, wie die Innenstadt weiter gestärkt und Anwohnende sowie Akteure aktiviert werden können. Unterstützt wird das Vorhaben von der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und der Werkstatt für Integration und Soziale Innovationen (WISI GmbH).

Maßnahmen wie die Folierung leerstehender Schaufenster tragen bereits jetzt dazu bei, das Stadtbild aufzuwerten und die Vermarktung zu erleichtern. Das Stadtmarketing wird künftig einen Leerstand als temporären Standort nutzen, um den Dialog mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie weiteren Akteuren zu fördern.

Gemeinsam für eine lebendige Innenstadt

Oberbürgermeister Markus Ibert betont: „Die ersten Ergebnisse der IHK-Innenstadtberatung belegen, dass ein proaktives Flächenmanagement für Lahr zwingend notwendig ist. Eine funktionierende Innenstadt ist eine Gemeinschaftsaufgabe für Stadtverwaltung, Wirtschaft, Werbegemeinschaft sowie Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien. Mit vereinten Kräften kann es uns gelingen, die tragende Funktion des Einzelhandels im Kernbereich zu erhalten und andere Innenstadtlagen in Wohnungen, Manufakturen, Kultur und Kreativwirtschaft sowie sozio-ökonomische Nutzungen zu überführen.“

Weitere Kontakt- und Informationsmöglichkeiten

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