Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu

Bundeskriminalamt meldet 3,5 % mehr Fälle häuslicher Gewalt – Experten fordern mehr Prävention und Schutzmaßnahmen

Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu
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Das aktuelle Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024“ des Bundeskriminalamtes offenbart eine besorgniserregende Entwicklung in Deutschland: Die Gewalt gegen Frauen hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Besonders betroffen ist das Deliktsfeld Häusliche Gewalt, in dem 187.128 weibliche Opfer registriert wurden – ein Anstieg um 3,5 Prozent gegenüber 2023.

Bundesweite Zunahme häuslicher Gewalt

Die neuen Zahlen unterstreichen das anhaltend hohe Niveau geschlechtsspezifischer Gewalt. Verena Schickle, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenburg, betont den strukturellen Charakter der Problematik und fordert mehr gesellschaftliche Sichtbarkeit und Ächtung von Gewalt gegen Frauen. Das Bundeslagebild verdeutlicht insbesondere das Ausmaß der Partnerschaftsgewalt und weist auf zugrundeliegende Machtungleichgewichte zwischen Männern und Frauen hin.

Hintergründe: Strukturelle Probleme und gesellschaftliche Verantwortung

Laut Schickle geht die Entstehung von Gewalt oftmals mit traditionellen Rollenbildern und finanziellen Abhängigkeiten einher. Insbesondere bedeutet dies, dass viele Frauen Schwierigkeiten haben, sich aus belastenden oder gefährlichen Beziehungen zu lösen. Die gesellschaftliche Normalisierung von Gewalt wird ebenfalls als besorgniserregend hervorgehoben. Das bestätigen auch Studien wie die Mitte-Studie 2024/2025 der Friedrich-Ebert-Stiftung, nach denen Gewalt gegen Frauen zunehmend als normal empfunden wird.

Partnerschaftsgewalt wird laut der Gleichstellungsbeauftragten überproportional von Männern – meist von Ex-Partnern – verübt. Besonders gefährdet sind Frauen in Trennungs- oder Scheidungssituationen.

Prävention und Täterarbeit: Ausbau gefordert

Ein zentraler Lösungsansatz liegt nach Ansicht von Verena Schickle in der Präventionsarbeit, die gezielt bei Jungen und Männern ansetzen müsse. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der Täterarbeit, um Gewalt frühzeitig vorzubeugen und bestehende Dynamiken zu durchbrechen.

Schickle betont: „Es ist Aufgabe von uns allen, der gesamten Gesellschaft, sich diesen Realitäten zu stellen, sie im Bewusstsein zu halten und gegen häusliche Gewalt aktiv zu sein.“

Unterstützungs- und Schutzsysteme unter Druck

Auch Petra Fränzen, geschäftsführende Vorständin von helfen Frauen e.V., bestätigt, dass Beratungs-, Präventions- und Schutzsysteme in der Ortenau sehr stark ausgelastet sind. Der Bedarf an Unterstützung ist groß, die vorhandenen Systeme stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Gesetzliche Verpflichtungen und Herausforderungen

Die Istanbul-Konvention verpflichtet Deutschland seit 2018, Frauen umfassend und präventiv gegen Gewalt zu schützen. Schickle fordert, die Konvention endlich konsequent umzusetzen und mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszustatten – speziell für Schutzplätze, Beratungsstellen und Täterarbeit.

Mit dem neuen Gewalthilfegesetz, das zu Jahresbeginn von der Bundesregierung verabschiedet wurde, liegt nun die Verantwortung bei den Ländern, für eine umfassende Umsetzung zu sorgen. Ziel ist der bundesweit gleichberechtigte Zugang zu Schutz und Unterstützung für von Gewalt betroffene Frauen, unabhängig vom Wohnort.

Angesichts der steigenden Fallzahlen und der Dringlichkeit sei es laut Schickle wichtiger denn je, das Gesetz intersektional und umfassend umzusetzen – einschließlich der Weiterentwicklung der Täterarbeit und nachhaltiger Präventionsangebote.

Ausblick: Gesellschaftliche Aufgabe und politischer Handlungsbedarf

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen: Es besteht dringender politischer und gesellschaftlicher Handlungsbedarf. Neben der Stärkung gesetzlicher Rahmenbedingungen ist auch eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit notwendig. Präventionsarbeit, Täterarbeit und gute Beratungsangebote sind wichtige Bausteine im Kampf gegen häusliche Gewalt – und betreffen alle gesellschaftlichen Ebenen.

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