Ortenaukreis: Rettungsdienst am Limit
Personalmangel, hohe Kosten und neue Technologien – wie der Rettungsdienst die Herausforderungen meistert

Der Rettungsdienst im Ortenaukreis steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Bei einem Besuch der DRK Rettungsdienst gGmbH in Offenburg informierte sich Oberbürgermeister Marco Steffens persönlich über die Lage und sprach mit Führungskräften über die Herausforderungen, die die Branche bewegen. Trotz der modernen Ausstattung und der hohen Motivation der rund 260 Beschäftigten bleibt die Branche mit akutem Personalmangel und steigenden Kosten konfrontiert.
Starke Infrastruktur – aber spürbare Herausforderungen
Die ist der zentrale Akteur im Rettungsdienst des Landkreises. Sie betreibt sieben Rettungswachen – in Offenburg, Lahr, Ettenheim, Kehl, Rheinau, Oberkirch und Altenheim – und deckt zusammen mit ihren Teams etwa 50.000 Rettungseinsätze jährlich ab. Insgesamt werden im gesamten Landkreis rund 120.000 Einsätze bewältigt.
Die moderne technische Ausstattung und das engagierte Personal bilden das Rückgrat des Rettungsdienstes vor Ort. Doch laut Frauenschuh, dem für die Ausbildung zuständigen Berufspädagogen, fehlen aktuell rund 60 Personalstellen allein in der Notfallrettung. Die Zahl der Auszubildenden ist begrenzt, was die Nachbesetzung offener Stellen erschwert.
Der Wandel im Rettungsdienst: Neue Berufsbilder und steigende Anforderungen
Geschäftsführer Andreas Scheibel betont die Veränderungen in der Branche: Ein bedeutender Fortschritt war die Einführung des Berufs des Notfallsanitäters im Jahr 2014. Notfallsanitäter dürfen zahlreiche lebensrettende Maßnahmen eigenständig durchführen, was die Flexibilität und Professionalität des Rettungsdienstes spürbar erhöht hat.
Dennoch bleibt die Anerkennung dieser Leistungen im fünften Sozialgesetzbuch und die Vergütung durch die Krankenkassen hinter den tatsächlichen Anforderungen zurück. Scheibel fordert einen niederschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem, da viele Menschen mangels Alternativen die Notrufnummer 112 selbst bei nicht dringenden Fällen wählen. Dies führt zu einer zusätzlichen Belastung für Personal und Finanzen des Rettungsdienstes.
Sensibilisierung und Prävention
Mit der Kampagne „Nicht jeder Fall ist ein Notfall“ möchte der Rettungsdienst deshalb die Öffentlichkeit sensibilisieren: Die Notrufnummer sollte ausschließlich bei echten Notfällen gewählt werden, um Ressourcen gezielt einsetzen zu können. Zusätzlich sieht sich der Rettungsdienst mit vorsätzlichen Behinderungen seiner Arbeit konfrontiert – ausgelöst durch mangelndes Verständnis oder fehlende Bereitschaft, sich im Ernstfall unterzuordnen.
Starke Zusammenarbeit und neue Ansätze
Im Ortenaukreis arbeiten neben der DRK Rettungsdienst gGmbH auch die Kreisverbände Wolfach und Bühl-Achern, die Malteser, die Johanniter und der ASB eng zusammen. Im Notfall kooperieren sie mit Feuerwehr, THW, Bergwacht, DLRG, Wasserwacht, ärztlichen Diensten sowie dem Ortenau Klinikum.
Geschäftsführer Scheibel sprach sich für eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren aus. Besonders im Katastrophenfall seien kurze Wege und schnelles Handeln entscheidend. Oberbürgermeister Steffens zeigte sich offen für innovative Ansätze, wie beispielsweise den Einsatz von Drohnen zur schnellen Lageerkundung an Einsatzorten. Allerdings stehen derzeit datenschutzrechtliche Hürden im Weg. Steffens unterstützt daher die Forderung nach einer Experimentierklausel im Rettungsdienstgesetz, um innovative Lösungen zu ermöglichen.
Ausblick
Der Rettungsdienst in der Ortenau bleibt eine tragende Säule der medizinischen Versorgung. Gleichzeitig machen die angesprochenen Probleme deutlich, dass sowohl auf politischer als auch gesellschaftlicher Ebene neue Impulse gesetzt werden müssen, damit die hohe Versorgungsqualität auch in Zukunft gewährleistet werden kann.
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