Wenn niemand kommt: Gedenkstunde in Offenburg
Stadt ehrt jährlich 30 bis 40 einsam Verstorbene mit musikalischer Erinnerung am 23. November
Im Offenburger Weingartenfriedhof werden jedes Jahr etwa 30 bis 40 Bestattungen vom Ordnungsamt organisiert. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die ohne Begleitung von Angehörigen oder Freunden verabschiedet werden. Die Stadt Offenburg macht mit einer besonderen Gedenkstunde auf dieses stille Thema aufmerksam.
Allein – aber nicht vergessen
Verstirbt eine Person, ohne dass kurzfristig Angehörige ausfindig gemacht werden können, übernimmt das Ordnungsamt die Beisetzung. Trauerfeiern ohne Angehörige sind dabei keine Seltenheit. Ist der oder die Verstorbene keiner Religionsgemeinschaft zugehörig, bleibt auch der geistliche Beistand aus. Die Zeremonie wird dann oft nur von einer Organistin bzw. einem Organisten und einer mitarbeitenden Person der Friedhofsverwaltung begleitet.
Der Ablauf ist schlicht: Beim dritten Lied geht der Mitarbeitende mit der Urne ans Grab und setzt sie still bei. Nicht selten bleibt in der Trauerhalle eine spürbare Leere zurück – eine Leere, die der Prädikant und Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung aus eigener Erfahrung kennt.
Gedenkstunde für einsam Gestorbene
Mit der Gedenkstunde "Wenn niemand kommt" möchte die Stadt all jener gedenken, die einsam verstorben und bestattet wurden. Der Prädikant trägt eine kurze biblische Geschichte vor, um deutlich zu machen, dass gesellschaftliche Armut grundsätzlich jeden treffen kann. Die Veranstaltung schafft einen Raum, in dem auch anonym Verstorbene nicht namenlos bleiben.
Musikalische Begleitung und Ort
Der Kirchenchor St. Sixtus Zunsweier und Eva Peichl an der Orgel gestalten den musikalischen Rahmen der Zeremonie. Die Gedenkstunde findet am Sonntag, 23. November 2025, um 15 Uhr in der Aussegnungshalle auf dem Offenburger Weingartenfriedhof statt.
Gesellschaftliche Bedeutung
Die Veranstaltung legt ein Augenmerk auf Menschen am Rand der Gesellschaft und macht auf ein oft verdrängtes Thema aufmerksam. Sie lädt Bürgerinnen und Bürger dazu ein, gemeinsam innezuhalten und sich mit Fragen nach Einsamkeit, gesellschaftlicher Verantwortung und Würde am Lebensende auseinanderzusetzen.
Die Stadt Offenburg setzt mit der Gedenkstunde ein ebenso stilles wie wichtiges Zeichen: Niemand soll vergessen werden, auch wenn niemand kommt.
Eigene Anzeige
Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen
Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.