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Betreff: Auf der Suche nach den 300 Jahren | PM Stadt Schwäbisch Hall
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Stadt korrigiert Altersangabe vom Jacobimarkt nach Archivrecherche
Auf der Suche nach den 300 Jahren
Die meisten Besucherinnen und Besucher des Jakobimarkts denken wahrscheinlich nicht an die Frage, seit wann dieser Jahrmarkt eigentlich gefeiert wird, wenn sie über den Krämermarkt schlendern, sich im Break Dance durchwirbeln lassen, im Bierzelt anstoßen, Süßigkeiten kaufen oder ihr Glück beim Loskauf austesten.
Bislang wurde der Jakobimarkt von der Stadt Schwäbisch Hall mit "seit über 800 Jahren" beworben – als einer der ältesten Märkte der Region. Doch genau dafür fehlen die Belege, wie eine gründliche Recherche im Haller Stadtarchiv jetzt ergab.
Alles begann mit einer Bürgeranfrage
Auslöser war eine schlichte Anfrage, die das Stadtarchiv erreichte: Ein Bürger wollte es genau wissen. Archivleiterin Dr. Elisabeth Fischer begab sich auf die Spurensuche.
Das Ergebnis zeigt: „Die derzeit nachweislich älteste existierende Quelle stammt aus dem Jahr 1486. Der Jakobimarkt ist damit seit 540 Jahren belegt. Wann er tatsächlich zum ersten Mal stattfand, muss also – zumindest vorerst – offen bleiben“, so Fischer.
Ein aufregender Fund ist es durchaus: Das Ratsprotokoll von 1486 dokumentiert einen Betrugsfall auf dem Jakobimarkt. Ein Händler verwendete ein falsches Ellenmaß (Längenmaß) als Verkaufsgrundlage. Auch vor über einem halben Jahrtausend war auf dem Haller Jahrmarkt also einiges los.
In der lokalhistorischen Forschung galt der Jakobimarkt lange als älter als der Michaelismarkt, dessen Einrichtung im Zusammenhang mit der Weihe von St. Michael 1156 urkundlich belegt ist. Die Vorstellung von einem mehr als 800 Jahre alten Jakobimarkt geht auf eine vermutete Verbindung zur Kirche St. Jakob und ihrem namensgebenden Heiligen Jakobus dem Älteren zurück. Die Kirche, die ab 1236 von Franziskanern als Klosterkirche genutzt wurde, stand bis zum Stadtbrand von 1728 an der Stelle des heutigen Rathauses. Innerhalb der Forschung wurde intensiv diskutiert, wie alt dieser Kirchenbau war und ob Markt und Kirche bereits vor der Nutzung als Klosterkirche bestanden.
Die Logik dahinter klingt bestechend: „Im Mittelalter fanden Märkte häufig an den Festtagen ihrer namensgebenden Heiligen statt. Doch aus dieser plausiblen Vermutung lässt sich weder das Alter der Jakobskirche noch die Entstehung des Jakobimarkts belegen. Eine Quelle, die die Verleihung des Marktrechts im Zusammenhang mit dem Kirchenbau oder der Übernahme durch die Franziskaner dokumentiert, fehlt.“ Und dass ein weltliches Marktrecht an eine Ordensgemeinschaft verliehen wurde, hält Dr. Fischer für historisch wenig plausibel.
Woher kam die Zahl 800?
Was in der lokalhistorischen Forschung stets klar als Hypothese galt, geriet durch unzureichende Kommunikation in der öffentlichen Darstellung über die Jahre hinweg zu einer vermeintlich gesicherten Tatsache. Die Bürgeranfrage über die sozialen Medien gab den Anlass, die Quellenlage noch einmal gründlich zu prüfen. Das Ergebnis: Die bisherige Altersangabe hält der Überprüfung nicht stand. Die Stadtverwaltung korrigiert deshalb ihre Werbung mit der "mehr als 800-jährigen Geschichte".
Alt ist er trotzdem
Auch nach der Korrektur muss sich der Jakobimarkt nicht verstecken. Er zählt weiterhin zu den älteren Märkten der Region. Älter sind allenfalls die Muswiese, belegt seit 1434, der Talmarkt in Bad Wimpfen, der auf das Marktrecht von 965 zurückgeht, und der Kalte Markt in Ellwangen, der seit 1353 überliefert ist.
Um die 300 Jahre Marktrecht muss man nicht trauern. Die Vorfreude auf den Jakobimarkt 2027 wird diese Korrektur wohl kaum trüben. Und 2036 gibt es dann einen Anlass zum großen Feiern: Dann liegt die erste überlieferte Erwähnung des Jakobimarktes 550 Jahre zurück.
Bildunterschrift: Auszug aus dem Ratsprotokoll von 1486 – der älteste bekannte Nachweis des Jakobimarkts. Darin geht es um einen Betrugsfall auf dem Jahrmarkt: Ein Händler verwendete ein falsches Ellenmaß (Längenmaß) als Verkaufsgrundlage.
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