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Betreff: Pressemitteilung: "Bekanntgabe Stipendiaten "Designers in Residence" 2026"
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
anbei eine Pressemitteilug:
Internationales Stipendienprogramm Designers in Residence
Designers in Residence 2026 stehen fest
(stp). Aus über 300 Bewerbungen aus 60 Ländern hat die Jury, bestehend aus Modedesignerin Melitta Baumeister, Leiterin des Fachbereichs Kreativwirtschaft Pforzheim Almut Benkert, Grafikdesignerin und Künstlerin Anja Kaiser, Schmuckdesignerin Luzia Vogt sowie Materialforscherin und Industriedesignerin Charlett Wenig die Stipendiatinnen für das Designers in Residence Programm 2026 in Pforzheim ausgewählt. Von April bis Juni werden Minerva Skyttä aus Finnland, Floor Berkhout aus den Niederlanden und Hanna-Katri Eskelinen aus Schweden ihre Projekte im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim realisieren.
Minerva Skyttä ist Modedesignerin aus Finnland mit einem Masterabschluss von der international renommierten Aalto Universität. Sie hat sich auf innovative und skulpturale Strickmode spezialisiert, mit einem starken Fokus auf Handwerkskunst und zeitgenössischem Design. Während des Stipendiums wird sie eine Strick-Kollektion mit ihrer eigens entwickelten Stricktechnik umsetzen, bei der keinerlei Materialabfälle produziert werden und die Designs während des Strickprozesses entstehen. Skyttäs Modedesigns sind als nicht reproduzierbare, individuelle Kunstwerke konzipiert und nicht für die Massenproduktion gedacht. Mit ihrer Arbeit wendet sie sich gegen Fast Fashion und Überkonsum und möchte zum Nachdenken, zur Diskussion und zur Selbstentfaltung anregen. Ihren Aufenthalt in Pforzheim möchte sie insbesondere dafür nutzen, um ihre Stricktechnik mit mechanischen Mitteln weiterzuentwickeln und damit die Position von Strickwaren als künstlerische Ausdrucksform und Handwerkskunst zu stärken.
„Das Projekt von Minerva Skyttä sticht durch ihre selbstentwickelte Stricktechnik hervor, mit der sie ästhetisch innovative und ungewöhnlich skulpturale Strickformen erschafft, inspiriert von den Erinnerungen vergangener Generationen. Ihre Arbeit überzeugt durch handwerkliche Tiefe, spontane Designpraxis und Nachhaltigkeit, da sie mit ihrer Technik keine Materialabfälle produziert. Dadurch schafft sie es Strick vollkommen neu zu denken“, begründet Melitta Baumeister die Entscheidung der Jury.
Die niederländische Informationsdesignerin Floor Berkhout hat ihren Master an der Design Academy Eindhoven abgeschlossen. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen der Dialektik von abstrakter Beschleunigung einer digitalen Logik und der langsamen, taktilen Weisheit des Handwerks und trägt dazu bei, die Datenverarbeitung aus der Cloud in eine handfeste Form zu übertragen. Beeinflusst von queeren und feministischen Erkenntnistheorien erforscht sie die Möglichkeiten von Autonomie innerhalb starrer Rechenumgebungen und hinterfragt ausgehend von der Genealogie des Webstuhls Datenverarbeitung aus einer materiellen uns physiologischen Perspektive. Die algorithmische Logik des Webens identifiziert sie dadurch als ursprüngliche Form der Programmierung, Codierung als Handwerkskunst. Aufbauend auf ihrer Forschung zu feministischen und decolonialen Computerpraktiken und Permacomputing wird sie in ihrem Projekt einen taktilen Server aus Textilien und leitfähigen Materialien konstruieren, der Datenflüsse physisch und visuell nachvollziehbar macht, Bewusstsein für technologische Prozesse schafft und neue Verbindungen zwischen handwerklicher Materialverarbeitung und digitaler Logik knüpft.
„Floor Berkhouts Projekt ist besonders interessant, weil sie in einem vielschichtigen und radikal interdisziplinären Prozess Handwerk und Design als essenzielle Basis für technologische Prozesse positioniert“, sagt Jurymitglied Charlett Wenig. „Sie lässt anthropologische, historische und philosophische Gedanken in ihre Designpraxis einfließen und begreift Gestaltung als Informationselement, wodurch sie Möglichkeiten zur interaktiven Vermittlung von Technologie und Digitalisierung erschafft. Indem sie digitale Berechnungen mit analogen, materialbasierten Prozessen und Experimenten kombiniert, übersetzt sie Webstrukturen in eine feministische permacomputing Praxis, die zeigt: Coding is craftwomanship.“
Die derzeit in Schweden lebende finnische Illustratorin, Animatorin und Grafikdesignerin Hanna-Katri Eskelinen hat ihren Master an der Konstfack in Stockholm absolviert und entwirft in ihren Arbeiten Visionen einer alternativen, nachhaltigen Zukunft. Während sie sich mit der aktuellen Klimakrise und dem Ökozid beschäftigt, nutzt sie Illustration, Animation und Poesie, um Menschen und Gemeinschaften in alternativen und spekulativen Welten in den Mittelpunkt zu stellen und unterstreicht damit die dringende Notwendigkeit neuer Wege des Zusammenlebens. Ihr Residenzprojekt untersucht das Konzept der Ökotopie durch die ästhetische Linse von Solarpunk und digitaler Weichheit. Dabei versucht sie die kollektive Fähigkeit, uns eine egalitäre und nachhaltige Zukunft vorzustellen, wiederherzustellen – durch visuelle Kommunikation, die verbindet statt trennt. Durch die Verschmelzung von digitaler und physischer Zeichnung untersucht ihre Arbeit, wie Illustration und Animation die Gemeinschaft fördern können.
„Aufmerksam und emphatisch bezieht Hanna-Katri Eskelinen in ihrer Designpraxis die Bedürfnisse ihrer Umgebung ein und bietet Möglichkeiten zum Handeln. Dabei bedient sie sich der Mittel der Illustration und bietet, auf einer feministischen Tradition gestützt, Perspektiven auf eine Zukunft, die wir uns vielleicht nicht zu träumen wagen“, so Jurymitglied Anja Kaiser.
Die Residenz will Eskelinen nutzen, um eine Brücke zwischen Praxis und Theorie zu schlagen. Entstehen wird eine immersive, interaktive Installation und ein Online-Erlebnis, bei dem kollektive Entscheidungen die Entwicklung einer Ökotopie beeinflussen.
Informationen zur Jury
Melitta Baumeister ist eine deutsche Modedesignerin mit Sitz in New York City. Sie absolvierte einen BA in Modedesign an der Hochschule Pforzheim (Fakultät für Gestaltung) und erwarb anschließend einen MFA in Modedesign an der Parsons School of Design, bevor sie ihre eigene Marke gründete. Im Jahr 2014 wurde Melitta Baumeisters Debütkollektion auf der New York Fashion Week präsentiert. In der Folge wurde ihre Arbeit unter anderem in der Vogue, der New York Times, i-D, Numéro und Self Service vorgestellt. Diese internationale Aufmerksamkeit verlieh ihrer Karriere einen entscheidenden Impuls und ermöglichte es ihr, ihre Kollektionen auf renommierten Plattformen in Paris zu zeigen. Im Zentrum von Melitta Baumeisters Arbeit steht die skulpturale Qualität von Kleidung. Sie überzeichnet Volumen, verschiebt Proportionen und formt Silhouetten neu, wobei sie häufig ungewöhnliche Materialien und experimentelle Techniken einsetzt. Dieser eigenständige Ansatz wird gleichermaßen von internationalen Boutiquen wie auch von Museen geschätzt.
Almut Benkert leitet seit Ende 2011 den Fachbereich Kreativwirtschaft der Stadt Pforzheim. Dort verantwortete sie den Umbau des ehemaligen Emma-Jaeger-Bades zum Kreativzentrum EMMA, dessen Leitung sie seit 2014 inne hat, und initiierte die Inbetriebnahme des Alfons-Kern-Turms (A.K.T;), welcher ebenfalls vom Fachbereich Kreativwirtschaft gesteuert wird. Zuvor hatte sie Jura sowie Kultur- und Medienmanagement in Freiburg, München und Berlin studiert und war mit einer Agentur für Kulturmanagement in Berlin selbstständig. Weitere Stationen führten sie ans Staatstheater Hannover und die Staatsoper Stuttgart.
Anja Kaiser ist Grafikdesignerin und Künstlerin. Sie befasst sich mit der Aneignung von widerständigen Medien, undisziplinierten grafischen Methoden und einer ‚messy‘ Designgeschichte. In selbstinitiierten Projekten verhandelt sie feministische Themen und erforscht alternative Erzählungen und poröse Werkzeuge im Grafikdesign. Dabei untersucht sie die Übergänge zwischen Grafik, Design, Kunst, Musik und Formen der digitalen Selbstermächtigung. Sie bewegt sich im aktivistischen Umfeld, in subkulturellen Szenen und sucht nach Freiräumen für
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