30 Jahre Gemeinwesenarbeit in Kehl
Sozialer Zusammenhalt und 25 Millionen Euro für die Kreuzmatt – Ein Vorbild für andere Städte
Mit einer Feierstunde in der Villa RiWa blickte die Stadt Kehl auf 30 Jahre Gemeinwesenarbeit zurück. Ehemalige und aktuelle Mitwirkende wie Claudia Ründel, Juri Kern, Susanne Linnenberg, Katharina Becker, Schulleiter Detlef Kramer und ehrenamtlich Engagierte wie Ghafora Ahmadi zogen Bilanz über die Entwicklung und Erfolge der sozialen Arbeit im Stadtteil Kreuzmatt. Besonders für die kleinen Gäste wurde mit Hüpfburg, Kinderschminken und Henna-Tattoos ein buntes Programm geboten.
Entstehung und Entwicklung der Gemeinwesenarbeit
Die Grundlage für die Gemeinwesenarbeit in Kehl legte der Ortenauer Kreistag vor 30 Jahren mit seinem Beschluss, das Konzept im Stadtgebiet einzuführen. Hintergrund war die soziale Situation der 1950er-Jahre, als das Quartier Kreuzmatt für französische Streitkräfte errichtet worden war. Nach deren Abzug entstanden Herausforderungen wie hohe Arbeitslosigkeit und eine starke Abhängigkeit von Sozialhilfe unter den Bewohnerinnen und Bewohnern.
Am 25. April 1995 wurde schließlich eine Kooperationsvereinbarung zwischen Landrat Günter Fehringer und Kehls damaligem Oberbürgermeister Detlev Pröß unterzeichnet. Der Fokus lag von Anfang an darauf, Selbsthilfe und Selbstorganisation zu fördern, Integration zu unterstützen und die Teilhabe am Quartiersleben zu ermöglichen. Bis 2007 war die Arbeit dem Landkreis zugeordnet, seither ist die Stadt Kehl selbst Trägerin.
Sanierung, Aufwertung und soziale Balance
Die Villa RiWa als zentrales Symbol der Gemeinwesenarbeit hat seit ihrer Errichtung 1959 eine bewegte Geschichte. Sie diente zunächst französischen Offizieren als Wohnraum und wurde 1992 von der städtischen Wohnbau übernommen. Verschiedene soziale Einrichtungen, darunter das damals gegründete Frauen- und Mütterzentrum (heute Familienzentrum) und die GWA, haben seither dort ihren Platz gefunden.
Mit der Aufnahme des Wohngebiets ins bundesweite Städtebauförderprogramm "Soziale Stadt" konnte 2010 die Sanierung des Stadtteils vorangetrieben werden. Insgesamt investierte die Stadt 25 Millionen Euro in die bauliche und soziale Aufwertung, ein Meilenstein war der barrierefreie Umbau der Villa RiWa für rund 2,7 Millionen Euro. Heute sind die Räume der sozialen Einrichtungen modern und inklusiv gestaltet.
Einzig der Jugendtreff musste nach der Sanierung in das Gebäude der Josef-Guggenmos-Grundschule umziehen. Für die übrigen Einrichtungen bietet die Villa RiWa weiterhin Raum und Möglichkeiten zur Entfaltung.
Positive Bilanz und nachhaltiger Zusammenhalt
Eine Bewohnerbefragung im Jahr 2021 bestätigte, dass die Gemeinwesenarbeit zu einem starken Zusammenhalt und einer identitätsstiftenden Wirkung im Quartier Kreuzmatt beigetragen hat. Oberbürgermeister Wolfram Britz bezeichnete die offene und lösungsorientierte Grundhaltung in Kreuzmatt als beispielhaft für die ganze Stadt und würdigte den "Geist des Miteinanders".
Prof. Dr. Martin Becker von der Katholischen Hochschule Freiburg unterstrich in seinem Vortrag die Rolle der Gemeinwesenarbeit als Vermittler zwischen verschiedenen Interessensgruppen. Er hob hervor, dass damit einem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegengewirkt werden könne und stellte fest, dass die Akteurinnen und Akteure in Kehl „ganz viel richtig gemacht“ haben.
Weitere Einblicke und Ausblick
Die Bildergalerie mit Impressionen aus 30 Jahren Gemeinwesenarbeit in Kehl steht online zur Verfügung und rundet die Feierlichkeiten zum Jubiläum ab.
Bilderauswahl zum Jubiläumhttps://stadtverwaltung-kehl.dracoon.app/node/3549501
Mit dem Jubiläum bestätigt sich die Gemeinwesenarbeit Kreuzmatt als Musterbeispiel sozialer Integration und Entwicklung. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie die wertvollen Erfahrungen aus Kehl weiterhin Vorbild für andere Quartiere und Städte sein können.
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