Gänseplage bedroht Badevergnügen in Goldscheuer
Mit einem 15-Punkte-Plan und neuem Stadtjäger soll die Badestelle wieder sicher und sauber werden

Die Badestelle in Goldscheuer bei Kehl sieht sich seit Jahren mit einer wachsenden Wildgans-Population konfrontiert. In diesem Sommer musste das Gewässer bereits zweimal kurzzeitig geschlossen werden, weil die Grenzwerte für Enterokokken im Wasser überschritten wurden. Ursache dafür sind die zahlreichen Nil- und Kanadagänse, die im Bereich des Badhiesel nicht nur verweilen, sondern auch ihren Kot entlang des Ufers absetzen. Trotz regelmäßiger Reinigung durch den Betriebshof wurde der Badebetrieb beeinträchtigt.
15-Punkte-Plan für dauerhafte Lösungen
Bereits im Juli präsentierten die zuständigen Ortschaftsräte einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um die Badestelle künftig offen zu halten. Ein zentraler Punkt dabei war die Konsultation eines Stadtjägers. Gemeinsam mit dem Betriebshof, dem Wildtierbeauftragten des Landratsamts und dem erfahrenen Stadtjäger Siegfried Geisbauer wurde eine Begehung vorgenommen, um das Problem nachhaltig zu adressieren.
Die Herausforderung: Paradiesische Zustände für Gänse
Laut Siegfried Geisbauer begünstigen die Liegewiesen mit ihrem kurz geschnittenen Gras die Ansiedlung der Tiere erheblich. Gänse ernähren sich hauptsächlich von Gras und finden zudem auf den offenen Flächen Schutz vor natürlichen Fressfeinden wie Fuchs, Marder oder Dachs. Das Sicherheitsgefühl wird so verstärkt, die Tiere bleiben – und scheiden beachtliche Mengen Kot aus. Aggressives Verhalten insbesondere der Nilgänse trägt zusätzlich zur Verdrängung heimischer Arten bei.
Erste Sofortmaßnahmen und weitere Vorschläge
Als erste Reaktion wurde bereits der Sandbereich der Badestelle eingezäunt, um den Zugang zum Wasser für die Gänse zu erschweren. Doch Geisbauer mahnt: „Gänse sind klug und finden ihren Weg.“ Daher werden im weiteren Vorgehen tiefgreifendere Umgestaltungen empfohlen. Der Stadtjäger schlägt vor, die Liegewiesen gezielt mit Wildblumenwiesen zu durchsetzen, sodass die Tiere ihre gewohnte Weitsicht verlieren. Mehr Sichtschutz erschwert es den Gänsen, Feinde frühzeitig zu erkennen, und nimmt ihnen so das Sicherheitsgefühl.
Für die Jungtiere empfiehlt der Stadtjäger den Einsatz kniehoher, engmaschiger Zäune an den Nistplätzen, damit die Küken nicht auf die Wiesen gelangen können. Dadurch soll verhindert werden, dass die Gänse den Bereich weiterhin als Brutplatz nutzen. Für einen kontrollierten Lebensraum wird zudem angeregt, einen neuen Wasserzugang mit kurz geschnittenem Gras außerhalb des Badestellenbereichs einzurichten.
Konzeptentwicklung und Ausblick
Der städtische Betriebshof ist nun beauftragt, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, das die vorgeschlagenen Maßnahmen umfasst. Dieses Konzept wird in einer kommenden Sitzung dem Ortschaftsrat Goldscheuer vorgestellt. Das Ziel bleibt, die Badestelle wieder verlässlich und nachhaltig für die Bevölkerung nutzbar zu machen. Wie Ortsvorsteher Heinz Rith betont: „Wir wollen, dass die Badestelle wieder von der Breite der Bevölkerung angenommen wird.“
Hintergrund: Rolle und Aufgaben eines Stadtjägers
Seit der Novellierung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes 2020 können sogenannte Stadtjägerinnen und Stadtjäger in befriedeten Gebieten wie Ortschaften eingesetzt werden. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Beratung von Kommunen und Unternehmen bei Problemen mit Wildtieren. Sie dürfen nur in Ausnahme- und Notfällen zur Entnahme von Tieren oder zum Einsatz von Fallen greifen. Die Prävention, etwa durch Vergrämung, steht im Vordergrund.
Fazit
Das geplante Maßnahmenbündel zur Umgestaltung der Badestelle in Goldscheuer ist ein ambitionierter Versuch, das Gänseproblem nachhaltig und tiergerecht zu lösen. Die Beteiligung eines erfahrenen Stadtjägers sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Stellen unterstreichen die Ernsthaftigkeit, mit der die Stadt Kehl dieses Thema angeht. Eine Rückkehr zur uneingeschränkten Badestellen-Nutzung steht im Mittelpunkt aller Bemühungen.
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