Gedenken an Familie Gradwohl mit Stolpersteinen

In Kehl werden am 9. Oktober drei Stolpersteine verlegt, um an die Verfolgung und das Schicksal der Familie während des Nationalsozialismus zu erinnern

Von Redaktion Kehl

Am 9. Oktober werden in Kehl vor der Hauptstraße 33 drei Stolpersteine verlegt, um an das Schicksal der Familie Gradwohl zu erinnern. Die Stolpersteine sind Teil eines europaweiten Gedenkprojekts, das an Opfer des Nationalsozialismus mahnt und deren Namen im öffentlichen Raum sichtbar macht.

Die Geschichte der Familie Gradwohl

Sigmund Gradwohl wurde am 29. Oktober 1876 in Offenburg als Sohn einer elsässischen Kaufmannsfamilie geboren. Nach mehreren Umzügen ließ sich die Familie nieder, und Sigmund heiratete 1903 Celine Levy in Kehl. Das Ehepaar bekam Zwillinge, Leo und Jacob, von denen Jacob bereits 1904 verstarb. Sigmund Gradwohl baute ein erfolgreiches Herrenbekleidungsgeschäft auf, das er später in die Hauptstraße 33 verlegte.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten verschärften sich die Repressionen gegen jüdische Bürger. Die Familie Gradwohl wurde zum Ziel von Schikanen, darunter Hausdurchsuchungen, der Entzug von Papieren und die Verweigerung von Visa. Obwohl die Familie die französische Staatsangehörigkeit hatte, wurde sie immer wieder von Behörden drangsaliert. Die Maßnahmen zielten darauf ab, die Familie zum Verkauf ihres Besitzes und zur Auswanderung zu bewegen. Selbst finanzielle Mittel wurden durch das Finanzministerium blockiert.

Im März 1938 verkaufte die Familie ihr Haus unter Zwang, lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in Schiltigheim und floh später ins Elsass. Während des Krieges wurde das Leben der Familie weiter zerrissen: Celine starb 1940 im Exil, Sigmund kam 1941 im Internierungslager Drancy ums Leben. Sohn Leo wurde 1942 festgenommen und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Er erlebte die Befreiung des Lagers im Januar 1945 nicht mehr. Einzig die Schwester Bella Pomeranz überlebte die Verfolgung und den Krieg.

Verlegung der Stolpersteine als Gedenken

Zur Erinnerung an Sigmund, Celine und Leo Gradwohl wird der Künstler Gunter Demnig am 9. Oktober drei Stolpersteine vor der ehemaligen Wohnadresse der Familie verlegen. Diese symbolische Geste ist Teil einer Gedenkveranstaltung, die von verschiedenen Akteuren gestaltet wird. Nach einer Begrüßung durch den Arbeitskreis 27. Januar und einer Ansprache des Oberbürgermeisters Wolfram Britz ist eine szenische Lesung geplant, die von Schülerinnen und Schülern der Zeitzeugen-AG des Einstein-Gymnasiums gestaltet wird. Für den musikalischen Rahmen sorgen die Violinistinnen Lea Balzar und Lena Stalinski.

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Die Verlegung der Stolpersteine vor der Hauptstraße 33 setzt ein Zeichen für das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus in Kehl und für die Bedeutung eines individuellen Gedenkens. Die Geschichte der Familie Gradwohl steht stellvertretend für das Leid zahlloser jüdischer Familien, deren Leben durch Verfolgung, Entrechtung und Gewalt zerstört wurde.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Stolperstein-Projekt sind über die Pressestelle der Stadt Kehl erhältlich.

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