Kehl setzt auf Wildtiermanagement statt Jagd

Stadtjäger Siegfried Geisbauer fokussiert auf Prävention und nachhaltige Lösungen bei Konflikten mit urbanen Wildtieren

Von Redaktion Kehl
Kehl setzt auf Wildtiermanagement statt Jagd
Bild zum Beitrag© Redaktion Kehl

Die Stadt Kehl hat seit Ende Oktober 2025 einen offiziell eingesetzten Stadtjäger: Siegfried Geisbauer. Der erfahrene Wildtiermanager versteht sich jedoch weniger als „Jäger“ im klassischen Sinne und betont, dass seine Aufgaben weit über das hinausgehen, was die Berufsbezeichnung vermuten lässt. Vielmehr sieht er sich als „Wildtiermanager im Siedlungsgebiet“, dessen Hauptaugenmerk auf Prävention und Vergrämung liegt.

Wildtiere in der Stadt: Zunehmende Konflikte und neue Lösungen

Seit Jahren nehmen Begegnungen mit Wildtieren wie Mardern, Nil- und Kanadagänsen, Nutrias sowie Füchsen in den Siedlungsgebieten zu. Die Stadt Kehl reagierte auf eine wachsende Anzahl von Beschwerden aus der Bevölkerung. Im Mai 2025 beschloss der Gemeinderat daher, einen sogenannten Stadtjäger zu beauftragen, um derartige Konflikte professionell und rechtssicher zu bearbeiten.

„90 Prozent meiner Tätigkeit besteht aus Beratung“, erläutert Geisbauer. Mit Flinte über der Schulter wird man ihn in der Innenstadt also kaum antreffen. Vielmehr unterstützt er Bürgerinnen und Bürger dabei, die Ursachen von Wildtierproblemen zu verstehen und nachhaltige Lösungen umzusetzen.

Rechtliche Grundlagen und Qualifikation

Basis für den Einsatz von Stadtjägern ist die Novellierung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes durch die Landesregierung im Jahr 2020. Dieses Gesetz ermöglicht es Städten, speziell qualifizierte Wildtiermanager zu bestellen. Voraussetzung ist ein gültiger Jagdschein sowie eine entsprechende Zusatzausbildung. Zudem werden die örtlichen Jagdbehörden und -pächter in den Entscheidungsprozess eingebunden.

Anders als erwartet, ist der Stadtjäger jedoch kein Angestellter der Stadt Kehl, sondern eigenständig tätig. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Sie können den Stadtjäger bei Problemen direkt kontaktieren. Die entstehenden Kosten tragen in der Regel die Eigentümerin, der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte selbst.

Schwerpunkte: Beratung, Prävention und nachhaltige Maßnahmen

Geisbauer bringt jahrzehntelange Erfahrung – unter anderem aus Achern und Ettlingen – in seine neue Aufgabe ein. In Kehl war er bereits als Berater tätig: Beispielsweise unterstützte er die Ortsverwaltung an der Badestelle beim Jugendhaus Badhiesel, wo eine Wildganspopulation wiederholt Badeverbote zur Folge hatte. Auf seine Empfehlung werden nun gezielte Maßnahmen ausgearbeitet, um die Tiere zu vergrämen, also ihnen den Zugang zum Wasser zu erschweren.

Auch im Frühling, wenn Marder oft in Hausdächer einziehen, steht Beratung im Vordergrund. Nach einem kostenlosen Erstkontakt begutachtet Geisbauer, falls notwendig, die Situation vor Ort und entwickelt Lösungen – etwa das Verschließen von Einstiegslöchern.

Begrenzte jagdliche Eingriffe

Die Vorstellung vom gewappneten Stadtjäger, der mit Gewehr durch Kehl streift, weist Geisbauer ausdrücklich zurück: „Jagdliche Aspekte machen höchstens fünf Prozent meiner Tätigkeit aus.“ Der Fang von Wildtieren per Lebendfalle oder das Erlösen verletzter Tiere sind nur im äußersten Notfall erforderlich, wenn Prävention und Vergrämung versagen. Gezielte Abschüsse sind äußerst selten und gelten als letzte Lösung.

Ansprechpartner für Wildtierkonflikte

Siegfried Geisbauer ist in Kehl erste Adresse für alle Fragen und Probleme im Zusammenhang mit Wildtieren in Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten. Die Zuständigkeit umfasst insbesondere Steinmarder, Wildgänse, Füchse, Nutrias, Wildkaninchen, Wildschweine, Rehe und zukünftig verstärkt auch Waschbären. Von seiner Arbeit ausgenommen sind Ratten, Tauben und Igel.

Eine aktuelle Preisliste für Einsätze kann auf der Internetseite der Stadt Kehl eingesehen werden. Auch ein Podcastbeitrag widmet sich dem neuen Angebot.

Podcast zum neuen Stadtjäger (ab Minute 03:52)https://infocastkehl.podigee.io/150-neue-episode

Fazit

Mit der offiziellen Einsetzung von Siegfried Geisbauer als Stadtjäger geht Kehl einen wichtigen Schritt, um Wildtierkonflikte verantwortungsvoll zu lösen. Die Kombination aus Erfahrung, Beratung und rechtlicher Grundlage soll dazu beitragen, das Zusammenleben von Mensch und Wildtier im Stadtgebiet weiter zu verbessern.

Eigene Anzeige

Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen

Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.

Jetzt anfragen

Hat dir der Artikel geholfen? Teile ihn gern: