Lange Nacht der Demokratie in Kehl
27 kostenfreie Programmpunkte fördern Diskussion, Aufklärung und Kultur am 2. Oktober

Am 2. Oktober steht das Kulturhaus Kehl erneut ganz im Zeichen der Demokratie: Bei der zweiten „Langen Nacht der Demokratie“ erwartet Besucherinnen und Besucher ein vielseitiges, kostenfreies Angebot mit insgesamt 27 Programmpunkten. Ziel des Abends ist es, Diskussionskultur und Demokratieverständnis durch Begegnungen, kreative Formate und gemeinsames Erleben zu stärken.
Auftakt mit Diskussion und kreativen Impulsen
Die Veranstaltung beginnt ab 16 Uhr mit einer Gesprächsrunde zu einer grundlegenden Frage: „Was denkst du über Demokratie?“. Hierzu laden verschiedene Initiativen und Cafés bei Kaffee und Gebäck zum Austausch ein. Parallel eröffnet eine Comic-Ausstellung zum Leben und Alltag der Sinti und Roma, während die jüngeren Gäste im Foyer schminken, basteln oder mit Straßenkreide aktiv werden können.
Das Atelier Mobile der Offenburger Kunstschule demonstriert auf dem Vorplatz, wie politische Botschaften kreativ und sichtbar im öffentlichen Raum platziert werden können.
Vielfältige Begegnungen und Bildung
Ein besonderes Highlight ist die „lebendige Bibliothek“ im ersten Obergeschoss, in der Menschen ihre persönlichen Geschichten teilen – ein innovatives Projekt des städtischen Inklusionsbeauftragten.
Im Projektraum der Mediathek wird das Thema Fake News in einem interaktiven Vortrag behandelt, der insgesamt dreimal angeboten wird. Das Augenmerk liegt darauf, wie Falschnachrichten entstehen, erkannt werden und Meinungen beeinflussen können.
Frauen aus Afghanistan berichten im Treppenhaus über ihre persönlichen Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten, während der Verein Deutsch-Ukrainische Gesellschaft Ortenau am Büchertisch Impulse zum Thema Demokratie setzt. Die Studierendenvertretung der Hochschule Kehl lädt parallel zu einem Grundgesetz-Quiz ein.
Kulinarik, Austausch und spielerische Demokratie
Der Vorplatz des Kulturhauses verwandelt sich zur kulinarischen Begegnungszone mit Speisen und Getränken. Im Foyer können Interessierte mit Mitgliedern des Seniorenforums über Grundrechte diskutieren. Ab 17 Uhr bringen Gesellschaftsspiele im dritten Stock Demokratie auf spielerische Weise näher – für alle Generationen.
Musik, Kunst und gelebte Vielfalt
Für musikalische Höhepunkte sorgen das Balkan Brass Orchester mit mehreren Auftritten sowie der Inklusionsbeauftragte Nicolas Uhl alias Drive-By mit Live-Rap. Der Verein Omas gegen Rechts lädt zum offenen Meinungsaustausch auf dem Vorplatz, wo eine Bodenzeitung zur Auseinandersetzung mit Grundrechten einlädt. Parallel lädt das Netzwerk Migration Miteinander zu einer öffentlichen Sitzung und die Musikschule Kehl unter Leitung von Ellen Oertel zum Mitsingen ein.
Der Club Voltaire erinnert in Lesungen an die 1930er-Jahre und an die Gefährdung der Demokratie damals – Texte von Kurt Tucholsky und Egon Erwin Kisch stehen im Mittelpunkt.
Begriffserklärung: Antiziganismus
Eine Führung durch die Comic-Ausstellung im Foyer mit Jovica Arvantelli vom Verband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg informiert ab 19 Uhr über die Hintergründe von Ausgrenzung und Vorurteilen. Anschließend diskutiert das Atelier Mobile im Kunstgespräch, wie politisch Kunst sein darf. Weitere musikalische Programmpunkte sowie Erläuterungen zur Sinti-Hymne durch Musiker und Markus Delfeld runden den Abend ab.
Hinter den Kulissen der Politik
Als besonderer Höhepunkt gilt der Vortrag von Caroline Dostal, ehemalige Referentin im Bundesfinanzministerium. In „Marionetten Macht“ gewährt sie Einblicke in die Abläufe der Bundespolitik, untermalt von persönlichen Anekdoten. Anschließend ist das Publikum eingeladen, Fragen zu stellen.
Abschluss mit Musik und Silent Disco
Der späte Abend gehört erneut dem Balkan Brass Orchester, das auf dem Vorplatz ein weiteres Konzert gibt. Ab 22 Uhr lädt der Jugendkeller St. Nepomuk zur Silent Disco: Über Kopfhörer können drei verschiedene Musikstile gewählt und in lockerer Atmosphäre getanzt werden. Wunschtitel nimmt das Kulturbüro per E-Mail entgegen.
Beteiligung und Programmüberblick
Kulturbüroleiterin Stefanie Bade lobt das breite Engagement zahlreicher Vereine und Initiativen:
„Bei der Fülle an Programmpunkten ist es natürlich unmöglich, alle wahrzunehmen. Trotzdem freut es uns, dass sich so viele Vereine und Initiativen mit einem Beitrag beteiligen.“
Das ausführliche Programm ist in der Innenstadt gedruckt erhältlich sowie online einsehbar.
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Historischer Hintergrund und Ausblick
Die „Lange Nacht der Demokratie“ hat ihren Ursprung 2012 in Augsburg. In Baden-Württemberg wurde das Format erstmals 2024 umgesetzt. Die Landesregierung plant, es künftig im Zweijahresrhythmus zu organisieren. Städtische Initiativen in Kehl, Heilbronn und Pforzheim führen das Format bereits weiter und sorgen damit für nachhaltige Impulse in der Demokratiebildung.
Mit der zweiten Auflage der „Langen Nacht der Demokratie“ setzt Kehl ein starkes Zeichen für Vielfalt, Austausch und das gemeinschaftliche Erleben demokratischer Werte.
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