Regenwasser unter der Erde: Modularer Speicher für den Hanfplatz
In Kittersburg entsteht ein 410-Kubikmeter-Rückhaltesystem aus Kunststoffmodulen, das Niederschläge zwischenspeichert und das Kanalnetz entlastet – mit späterer Spielplatznutzung über der Anlage.
Im Baugebiet Hanfplatz im Kehler Stadtteil Kittersburg entsteht ein unterirdischer Regenwasserspeicher aus Kunststoffmodulen. Nach Angaben der Stadt handelt es sich dabei in mehrfacher Hinsicht um ein Novum: Anders als bei herkömmlichen Rigolen oder Speichern wird kein Füllmaterial wie Kies verwendet. Zudem ist die Anlage mit einem Versickerungsschutz ausgestattet, damit Niederschlag nicht in das bereits hochstehende Grundwasser gelangt, sondern kontrolliert in die Kanalisation abgeführt wird.
Entlastung für ein bereits ausgelastetes Netz
Hintergrund der Maßnahme ist die Belastung des bestehenden Regenwasserkanalsystems. Das Bestandsnetz gilt bereits als ausgelastet. Gleichzeitig sollen im Bebauungsgebiet auf einer Fläche von etwa 2,7 Hektar rund 70 Wohnhäuser entstehen. Die zusätzlichen Niederschlagsmengen aus diesen Grundstücken würden das Netz nach Angaben der Stadt vor große Schwierigkeiten stellen.
Das Retentionsvolumen soll hier für Entlastung sorgen, indem es Regenwasser zwischenspeichert und zeitlich verzögert an das Bestandsnetz abgibt.
Modulare Bauweise mit hoher Speicherfähigkeit
Die Technischen Dienste Kehl vergleichen das Speicherbauwerk mit einer großen Badewanne. Das Fassungsvermögen wird mit 410 Kubikmetern angegeben. Möglich wird dies durch die modulare Bauweise aus Kunststoff.
Nach Angaben der Stadt speichern konventionelle Rigolen rund 30 Prozent des Niederschlags zwischen und geben ihn verzögert ab. Das in Kittersburg eingesetzte Halbschalenkonstrukt erreicht demnach eine Speicherfähigkeit von mehr als 95 Prozent.
Schutz des Grundwassers
Zusätzlich wird die Rigole von Kunststoffdichtungsbahnen ummantelt. Diese sollen verhindern, dass der anfallende Niederschlag den Grundwasserspiegel weiter ansteigen lässt.
Auslegung auch mit Blick auf Starkregen
Die Stadt weist darauf hin, dass auch dieses Retentionsvolumen nur ein begrenztes Fassungsvermögen hat. Mit Blick auf klimatische Veränderungen und häufiger auftretende Starkregenereignisse sei daher in der Planung berücksichtigt worden, dass die Anlage an ihre Grenzen kommen könnte.
Deshalb wurden die Zu- und Ableitungen der Rigole größer dimensioniert, um mehr Volumen zu schaffen. Das Regenwasser soll sich dadurch auf den unterirdischen Speicher und dessen Kanalanschlüsse verteilen. Nach Darstellung der Stadt entsteht so ein Zeitpuffer, durch den das Bestandsnetz nicht überlastet wird.
Baustelle unter besonderen Bedingungen
Für die Beteiligten war das Projekt nach Angaben der Stadt Neuland. Eine besondere Rolle spielte dabei der Grundwasserstand: Gebaut werden konnte nur in Zeiten mit niedrigem Grundwasserstand.
Fläche soll später als Spielplatz genutzt werden
Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das unterirdische Halbschalenkonstrukt nicht mehr sichtbar sein. Die Fläche darüber soll später, sobald ein entsprechender Bebauungsgrad erreicht ist, zu einem Spielplatz für das künftige Wohngebiet gestaltet werden.
Die Kosten für Rigole und Spielplatzvorarbeiten werden mit rund 59.000 Euro angegeben. Nach aktuellem Stand liegt das Vorhaben im Kostenplan.
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