Drei Designerinnen starten in Pforzheim
Das Stipendienprogramm „Designers in Residence“ läuft 2026 zum elften Mal im EMMA – mit Projekten aus den Niederlanden, Schweden und Finnland.

Im EMMA - Kreativzentrum Pforzheim startet das internationale Stipendienprogramm „Designers in Residence“ bereits zum elften Mal. Drei Nachwuchsdesignerinnen aus den Niederlanden, Schweden und Finnland arbeiten von April bis Juni in Pforzheim an eigenen Projekten und bringen dabei unterschiedliche künstlerische und gestalterische Ansätze in die lokale Kreativszene ein.
Ein Programm mit internationalem Fokus
Das Stipendienprogramm der Stadt in Kooperation mit dem Design Center Baden-Württemberg der Hochschule stellt den ausgewählten Designerinnen drei Monate Zeit, freie Gestaltung, Arbeitsräume und finanzielle Mittel zur Verfügung. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche kreativen Ideen entstehen, wenn konzentriertes Arbeiten und professionelles Umfeld zusammenkommen.
Nach Angaben von Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, bietet der Standort nicht nur Fachkompetenz und ein starkes Netzwerk, sondern auch Vorteile wie Möglichkeiten zum konzentrierten Arbeiten und kurze Wege. Zugleich soll das Stipendium den internationalen Austausch bereichern.
Die drei Stipendiatinnen im Überblick
In diesem Jahr nehmen drei Designerinnen am Programm teil:
Alle drei sind im Zeitraum von April bis Juni 2026 in Pforzheim zu Gast, wohnen dort und arbeiten im EMMA - Kreativzentrum Pforzheim an ihren Projekten. Zusätzlich erhalten sie eine kostenlose Unterkunft, eine monatliche finanzielle Förderung sowie Zugang zur Infrastruktur und zu den Angeboten der Fakultät für Gestaltung der Hochschule.
Floor Berkhout: Forschung an digitalen und analogen Prozessen
Die niederländische Designerin Floor Berkhout hat ihren Master in Information Design an der Design Academy Eindhoven abgeschlossen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der kritischen Untersuchung räumlicher Darstellung komplexer Informationsinfrastrukturen.
Im Rahmen des Stipendiums arbeitet sie an der Konstruktion eines taktilen Servers aus Textilien und leitfähigen Materialien. Ziel ist es, technologische Prozesse über einen installationsbasierten Ansatz physisch und visuell nachvollziehbar zu machen. Berkhout untersucht dabei auch Möglichkeiten der Autonomie innerhalb starrer Rechenumgebungen und beschäftigt sich mit algorithmischer Logik des Webens als Form von Programmierung, Codierung und Handwerkskunst.
Ihre interdisziplinäre Methode versteht Handwerk im Design als Grundlage von Technologie und verbindet digitale sowie analoge Prozesse miteinander.
Floor Berkhout verweist dabei auf ihre Forschung zu feministischen und queeren Computerpraktiken sowie zu Permacomputing. Sie möchte einen in Vergessenheit geratenen Teil der Technologiegeschichte sichtbar machen: dass „Computer“ lange vor dem Aufkommen von Maschinen eine Berufsbezeichnung für tausende Frauen war, die erste Systeme berechneten und programmierten.
Hanna-Katri Eskelinen: Illustration als Form des Widerstands
Hanna-Katri Eskelinen lebt in Schweden und stammt aus Finnland. Sie arbeitet als Illustratorin, Animatorin und Grafikdesignerin. Ihr Studium in Visual Communication Design absolvierte sie an der Aalto Universität in Helsinki sowie an der Konstfack in Stockholm.
In ihren Arbeiten entwirft sie alternative, nachhaltige ökonomische Modelle. In Pforzheim will sie das Konzept „Ökotopie“ mithilfe digitaler, physischer und interaktiver Animation untersuchen. Methoden der visuellen Kommunikation sollen dabei als verbindende und gemeinschaftsfördernde Elemente dienen, um kollektive Zukunftsvisionen zu entwickeln.
Eskelinen beschreibt ihr Residenzprojekt als Raum, um Illustration als Form des Widerstands einzusetzen. Mit interaktivem visuellem Storytelling möchte sie einen Ort schaffen, an dem gemeinsam neue Visionen einer egalitären und mitmenschlichen Zukunft entworfen werden können.
Minerva Skyttä: Strickmode zwischen Handwerk und Innovation
Minerva Skyttä ist Modedesignerin aus Finnland und hat einen Masterabschluss an der Aalto Universität. 2024 erhielt ihre Abschlusskollektion „City of Espoo“ den International Young Talent Award Culture X AI.
Sie ist auf innovative skulpturale Strickmode mit starkem Fokus auf zeitgenössisches Design spezialisiert. Für das Stipendium plant sie eine Strick-Kollektion eigener Designs, bei der kein Materialabfall entsteht. Die Entwürfe entstehen spontan während des Strickprozesses und sind nicht reproduzierbar.
Skyttä versteht ihre Arbeit als Gegenentwurf zu Massenproduktion, Fast Fashion und Überkonsum. In Pforzheim möchte sie ihre Stricktechnik mit mechanischen Mitteln weiterentwickeln und so die Position von Strickwaren als künstlerische Ausdrucksform und Handwerkskunst stärken.
Sie betont, dass sie das Stipendium nutzen möchte, um neue Stricktechniken mit traditionellen mechanischen Maschinen zu entwickeln und Mode auf alternative Weise zu denken und zu gestalten.
Ausstellung im Sommer 2026
Die Ergebnisse des Programms werden vom 27. Juni bis 12. Juli 2026 in einer Ausstellung im EMMA - Kreativzentrum Pforzheim gezeigt. Die Eröffnung ist für den 26. Juni 2026 um 19 Uhr geplant.
Damit endet die Arbeitsphase nicht nur mit einer Präsentation der Projekte, sondern auch mit einem öffentlichen Einblick in die unterschiedlichen gestalterischen Perspektiven, die in Pforzheim zusammenkommen.
EMMA als Ort der Kreativwirtschaft
Das EMMA - Kreativzentrum Pforzheim ist die zentrale Plattform für Pforzheims Kreative. Das Zentrum liegt in einem ehemaligen Jugendstilbad an der Enz und bietet auf 3.000 Quadratmetern Werkstatt- und Coworking-Arbeitsplätze, Ateliers, Büros und Ausstellungsflächen.
Pforzheim selbst wird als Stadt mit lebendiger Kreativszene beschrieben, mit besonderem Schwerpunkt im Bereich Design. Hier arbeiten zahlreiche Hochschulabsolventinnen und -absolventen, Existenzgründerinnen und -gründer, Freelancer sowie Unternehmen aus der Kreativwirtschaft.
Unterstützung des Programms
„Designers in Residence“ wird unterstützt von der Sparkasse Calw, C. Hafner und dem Rotary Club Pforzheim-Schloßberg.
Mit dem diesjährigen Jahrgang setzt das Programm erneut auf internationale Impulse, unterschiedliche künstlerische Methoden und einen engen Bezug zwischen experimentellem Design und lokaler Kreativwirtschaft.
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