Namen statt Nummern: Erinnerung in Pforzheim

Digitale Erweiterung ehrt über 200 NS-„Euthanasie“-Opfer am Hauptfriedhof

Namen statt Nummern: Erinnerung in Pforzheim
Bild zum Beitrag© Redaktion Pforzheim

Die systematische Ermordung behinderter sowie kranker Menschen durch das NS-Regime zählt zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte. Nun wurde die Dokumentation "Namen, nicht Nummern", die sich mit den NS-"Euthanasie"-Verbrechen im Raum Pforzheim befasst, digital erweitert und aktualisiert. Mehr als 200 lokale Opfer werden dadurch namentlich gewürdigt und ihre Schicksale dokumentiert.

Erinnerungskultur am Hauptfriedhof Pforzheim

Bereits im Jahr 2013 wurde am Hauptfriedhof in Pforzheim eine Gedenktafel für die über 200 Opfer dieser Verbrechen eingeweiht. Nun geht das städtische Kulturamt gemeinsam mit dem Stadtarchiv einen weiteren Schritt: Die Gedenkstätte wird durch digitale Informationen ergänzt. Über einen QR-Code am Denkmal können Interessierte direkt auf die aktualisierte Dokumentation zugreifen.

Wissenschaftliche Aufarbeitung durch lokale Historiker

Die neuesten Forschungsergebnisse stammen von den Historikern Brigitte und Gerhard Brändle. Laut ihren Recherchen wurden im Raum Pforzheim insgesamt 364 Menschen, die als alt, krank oder behindert galten, unter dem NS-Regime ermordet. Diese Zahlen unterstreichen das Ausmaß der Verbrechen und zeigen, wie wichtig eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem Thema bleibt.

Kooperation zur Bewahrung der Erinnerung

Der Nachtrag zur Publikation "Namen, nicht Nummern" ist Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Kulturamt und dem Stadtarchiv Pforzheim. Die Publikation, zunächst in Zusammenarbeit mit Margarete Hans Ade und der evangelischen Kirche erstellt, macht die Verbrechen nicht nur sichtbar, sondern benennt auch die individuellen Schicksale der Opfer.

Stimmen aus den beteiligten Institutionen

Claudia Baumbusch, stellvertretende Leiterin des Kulturamts, betont, es sei für ihre Einrichtung selbstverständlich, den aktuellen Forschungsstand öffentlich zugänglich zu machen – digital und mit weiterführenden Materialien. Archivleiterin Dr. Klara Deecke hebt hervor, dass Verfolgungsschicksale nicht in Vergessenheit geraten dürfen und deren öffentliche Aufarbeitung ein wichtiger Beitrag für die Gedenkkultur ist. Baumbusch macht zudem deutlich, dass Teilhabe und Inklusion bleibende gesellschaftliche Aufgaben sind, insbesondere auch im Licht der Geschichte der NS-verfolgten Menschen aus Pforzheim.

Digitale Verfügbarkeit und Bedeutung für Gegenwart

Mit dem QR-Code am Denkmal und der erweiterten Online-Dokumentation wird die Erinnerungskultur zeitgemäß weiterentwickelt. Das Thema bleibt laut Kulturamt hochaktuell, da neue Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung auch heute noch Widerstand nötig machen.

Die Publikation "Namen, nicht Nummern" und ihre digitale Erweiterung leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen, zur Aufklärung und zur Mahnung, jedem Anflug von Diskriminierung entschlossen entgegenzutreten.

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