Neues Mahnmal erinnert an Deportation in Pforzheim
Sechs Meter hohe Betonsäule mit Namen der 202 deportierten Jüdinnen und Juden am historischen Hauptgüterbahnhof enthüllt

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Am Mittwoch wurde am ehemaligen Hauptgüterbahnhof Pforzheim ein neues Mahnmal eingeweiht, das an die Deportation der Jüdinnen und Juden aus Pforzheim am 22. Oktober 1940 erinnert. Die Einweihung fand im Rahmen des 85. Gedenktags statt und wurde von hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und jüdischer Gemeinschaft begleitet.
Einweihung des Mahnmals und Beteiligte
Die zentrale Bedeutung des neuen Denkmals wurde durch die Teilnahme der Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg, Muhterem Aras, sowie der Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden unterstrichen. Das im Auftrag der Jüdischen Gemeinde entworfene Mahnmal steht auf dem neu benannten „Platz des 22. Oktober 1940“.
Architekt Peter W. Schmidt entwarf die sechs Meter hohe Säule aus dunklem Sichtbeton. Sie trägt einen Davidstern und eine sichtbare Gravurfläche, welche die Namen der deportierten Bürgerinnen und Bürger aus Pforzheim und Königsbach dokumentiert.
Oberbürgermeister Peter Boch betonte bei der Einweihung:
„Möge dieses Denkmal allen deutlich vor Augen führen, dass Erinnerung und Verantwortung Hand in Hand gehen. Lassen Sie uns gemeinsam den Opfern gedenken und dafür sorgen, dass die Lehren aus der Vergangenheit in unserem täglichen Handeln lebendig bleiben.“
Beteiligung von Nachfahren und musikalische Umrahmung
Besonders bewegend war die Teilnahme von Nachfahren der Deportierten, die eigens aus Israel und den USA anreisten. Ihr Austausch mit den Anwesenden ermöglichte einen generationsübergreifenden Dialog und machte die Auswirkungen der historischen Ereignisse spürbar.
Für einen würdigen Rahmen sorgten musikalische Beiträge des Südwestdeutschen Kammerorchesters und eines Chors. Die Veranstaltung wird jährlich von der Jüdischen Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Stadt Pforzheim organisiert.
Bedeutung und Gestaltung des Denkmals
Das Denkmal setzt ein sichtbares Zeichen für Erinnerung und Mahnung an die heutige Gesellschaft. Es steht für gegenseitige Achtung und den Zusammenhalt in Pforzheim. Neben der Namensgravur gibt eine Infotafel mit QR-Code den Zugang zu digitalen Biografien der Deportierten.
Digitale Informationen zu den Biografienhttps://www.de/mahnmal-deportation-1940
Finanzierung und Umsetzung
Die Stadt Pforzheim unterstützte das Projekt mit 20.000 Euro. Der überwiegende Teil der Kosten wurde durch Spenden getragen. Mit breiter Mehrheit im Gemeinderat wurde das Vorhaben beschlossen und vom Architekturbüro Peter W. Schmidt Architekten realisiert.
Historischer Hintergrund: Die Deportation nach Gurs
Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden mehr als 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden und der Saarpfalz von den Nationalsozialisten in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Aus Pforzheim waren es 202 Menschen. Die Bedingungen im Internierungslager waren menschenunwürdig; zahlreiche Deportierte starben dort oder wurden später in Vernichtungslager im Osten gebracht und ermordet. Nur wenige überlebten und konnten emigrieren.
Die Deportation nach Gurs gilt als Auftakt der systematischen Vertreibung und Ermordung jüdischer Deutscher durch das NS-Regime – noch bevor auf der Wannseekonferenz 1942 die europaweite Vernichtungspolitik beschlossen wurde.
Erinnerung als gesellschaftlicher Auftrag
Mit der Einweihung des Mahnmals und dem jährlich begangenen Gedenktag setzt Pforzheim ein Zeichen gegen das Vergessen. Die Veranstalter betonen die Bedeutung von aktiver Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung, um derartigen Unrechtstaten dauerhaft entgegenzuwirken.
Die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft steht im Mittelpunkt: Das Mahnmal ruft dazu auf, aus der Geschichte zu lernen und Intoleranz, Ausgrenzung und Hass keinen Raum zu geben.
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