Pforzheim diskutiert faire Löhne
Beim WSP-Personaldialog standen transparente und zukunftsfähige Vergütungssysteme im Fokus – mit Blick auf Entgelttransparenzgesetz und EU-Richtlinie.

In Pforzheim hat der WSP-Personaldialog die Frage nach fairen, transparenten und tragfähigen Vergütungssystemen in den Mittelpunkt gerückt. Unter dem Titel „Zukunftsfähige Vergütungssysteme - Transparenz, Fairness, Struktur“ trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Handwerk und Bildung, um über die Herausforderungen und Chancen des Entgelttransparenzgesetzes zu sprechen.
Auslöser der Diskussion sind das Entgelttransparenzgesetz und die kommende EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Beide erhöhen den Druck auf Unternehmen, Gehaltsstrukturen nachvollziehbar und diskriminierungsfrei zu gestalten. Im Zentrum standen dabei nicht nur rechtliche Vorgaben, sondern auch die Frage, wie sich diese in praktikable Lösungen für den Unternehmensalltag übersetzen lassen.
Veranstaltung mit großem Zuspruch
Der WSP-Personaldialog fand am 18. Mai 2026 im CongressCentrum Pforzheim (CCP) statt. Initiator war der städtische Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Markus Epple, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsförderung beim WSP, eröffnete die Veranstaltung und verwies auf die Bedeutung von Unterstützungsangeboten für Unternehmen in der Region, die sich auf die neue Rechtslage einstellen müssen.
Gleichzeitig machte Epple deutlich, dass Veränderungen auch Chancen eröffnen können. Dazu zählen neue Möglichkeiten, Mitarbeitende zu motivieren und Entwicklungen wie dem Gender Pay Gap entgegenzuwirken.
Fachvorträge zwischen Analyse und Praxis
Einordnung des Gender Pay Gap
Den ersten fachlichen Impuls setzte Johanna Jüngling mit ihrem Vortrag „Was ist fair? Gender Pay Gap – was er uns wirklich zeigt“. Seit Februar dieses Jahres leitet sie die Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald. Ihre Kernaussage brachte sie mit dem Satz auf den Punkt: „Veränderung beginnt dort, wo wir genauer hinsehen“.
Ihr Beitrag rückte die Frage in den Vordergrund, wie Fairness im Kontext von Vergütung verstanden und bewertet werden kann. Damit griff sie ein Thema auf, das für viele Unternehmen nicht nur fachlich, sondern auch kulturell von Bedeutung ist.
Entgelttransparenz als Chance für Unternehmen
Anschließend sprach Prof. Dr. Carsten Weber, Studiengangleiter des Studiengangs Personalmanagement an der Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule Pforzheim. Sein Vortrag trug den Titel „Entgelttransparenzgesetz: Nur bürokratische Belastung oder eine entgeltpolitische Chance?“.
Im Mittelpunkt standen die Anforderungen der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die Wirkmechanismen hinter der Initiative zur Entgelttransparenz sowie die Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen müssen. Neben Aufwand und Risiken wurden auch die Chancen betrachtet, die sich aus den neuen regulatorischen Rahmenbedingungen ergeben.
Praxisnaher Blick auf Vergütungssysteme
Den praktischen Teil übernahm Isabel Meister, Geschäftsführerin von MEISTER DIGITAL. In ihrem Vortrag „EU-Entgelttransparenz in der Praxis umsetzen: Ein 4-Phasen-Vorgehen für Unternehmen“ zeigte sie anhand von Praxisbeispielen, wie sich Klarheit und Struktur in gewachsene Vergütungssysteme bringen lassen.
Ein zentraler Punkt war die Bewertung von Funktionen anhand klar definierter Kriterien. Meister erläuterte, wie die Gleichwertigkeit von Arbeit nachvollziehbar bewertet und darauf aufbauend transparente Vergütungsstrukturen entwickelt werden können. Genannt wurden dabei vor allem fundiertere Entscheidungen, klare Karrierewege und mehr Fairness im Unternehmen.
Kommunikation als entscheidender Faktor
Den Abschluss gestaltete Karin Bacher, Inhaberin von Consultants & Coaching e. K., mit dem Vortrag „Zwischen Transparenz und Vertrauen: Entgeltstrukturen wirksam kommunizieren“. Ihr Fokus lag auf der Frage, wie Gehaltsstrukturen transparent gemacht werden können, ohne Unsicherheit oder Widerstand bei Mitarbeitenden zu verstärken.
Der Beitrag machte deutlich, dass Personalverantwortliche und Geschäftsführung emotionalen Dynamiken aktiv begegnen müssen. Zugleich wurde die Rolle von Führungskräften als zentrale Multiplikatoren hervorgehoben.
Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt
Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und bot den Teilnehmenden eine Plattform zum Austausch und zur Vernetzung. Die praxisorientierten Inhalte lieferten wertvolle Impulse für Unternehmen und Organisationen, die sich mit zukunftsfähigen Vergütungssystemen und den Anforderungen der Entgelttransparenz auseinandersetzen.
Die Bildunterschrift verweist auf die gemeinsame Diskussion der Expertinnen und Experten über das Thema Zukunftsfähige Vergütungssysteme. Genannt werden dabei Markus Epple, Kerstin Weipert, Isabel Meister, Prof. Dr. Carsten Weber, Johanna Jüngling sowie Karin Bacher.
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