Pforzheim gedenkt der verheerenden Bombardierung
81 Jahre nach dem Angriff mahnt die zentrale Feier zu Frieden, Demokratie und Versöhnung

Am Montag fand auf dem Hauptfriedhof Pforzheims die zentrale Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Bombardierung am 23. Februar 1945 statt. Die Veranstaltung erinnerte an eines der einschneidendsten Kapitel der Stadtgeschichte, bei dem innerhalb von 22 Minuten ein Viertel der damaligen Bevölkerung ausgelöscht wurde. Mehr als 17.600 Menschen verloren in Pforzheim und Umgebung ihr Leben.
Zentrale Gedenkfeier: Erinnern und Mahnen
Oberbürgermeister Peter Boch hielt vor den rund 250 Teilnehmenden eine bewegende Rede. Er gedachte aller Menschen, die am 23. Februar und während des gesamten Zweiten Weltkriegs ihr Leben lassen mussten. Boch hob die Bedeutung des Erinnerns hervor und warnte vor gesellschaftlicher Spaltung und politischer Radikalisierung:
„Wir versuchen, das Grauen dieser Nacht in Worte zu fassen. Ganze Pforzheimer Familien und Hausgemeinschaften wurden ausgelöscht, der bis heute unbekannte Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter oder einfach Durchreisende – sie verbrannten, erstickten, wurden von Bomben oder Trümmern erschlagen. […] Erneut warnen wir eindrücklich, welche Folgen gesellschaftliche Spaltung und politische Radikalisierung haben können.“
Warnung vor Nationalismus und Antisemitismus
In seiner Ansprache zeigte sich der Rathauschef auch dankbar für die Bereitschaft zur Versöhnung, insbesondere gegenüber den Gästen aus Gernika und den Vogesengemeinden. Gleichzeitig warnte Boch vor dem Erstarken von Nationalismus und Antisemitismus in ganz Europa. Er machte deutlich, dass das Engagement für Demokratie, Menschlichkeit und Frieden unverzichtbar sei:
„Wir geben unsere Werte und Prinzipien nicht auf. Auch nicht die Hoffnung und unsere Überzeugung, dass jedes Einstehen für Demokratie, Menschlichkeit und Frieden bedeutend ist – im Großen wie im Kleinen.“
Vielfältige Beteiligung und gemeinsames Gedenken
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung sprachen auch Dekanin Christiane Quincke und Pfarrer Steffen Schölch. Letzterer bereicherte die Feier durch ein gemeinsames Gebet. Zu den Anwesenden zählten Vertreterinnen und Vertreter der Kommunal- und Landespolitik, aus dem Jugendgemeinderat, vom Internationalen Beirat, aus verschiedenen Deutsch-Europäischen Gesellschaften, Feuerwehr, Polizei, Deutschem Roten Kreuz und der Jüdischen Gemeinde.
Von besonderer Bedeutung war die Teilnahme internationaler Delegationen: Aus Pforzheims Partnerstadt Gernika waren der stellvertretende Bürgermeister Iñaki Gorroño und Stadträtin Ziortza Bilbao angereist, ebenso wie aus den Vogesengemeinden La Bresse, Ventron und Cornimont – vertreten durch Bürgermeisterin Marie-Josèphe Clément.
Kranzniederlegung und musikalischer Rahmen
Im Namen der Bürgerschaft Pforzheims legte Oberbürgermeister Peter Boch einen Kranz nieder, um der Opfer des Krieges zu gedenken. An der Kranzniederlegung beteiligten sich auch die internationalen Repräsentanten sowie Vertreter verschiedener lokaler Organisationen, darunter die Feuerwehr, Polizei, der Jugendgemeinderat, der Internationale Beirat, das Deutsche Rote Kreuz und die Jüdische Gemeinde.
Musikalisch wurde die Gedenkfeier durch die Bläsergruppe des Musikzuges der Feuerwehr unter Leitung von Bernd Windelband begleitet.
Öffentliche Übertragung und weitere Teilnahme
Die Veranstaltung wurde live übertragen und die Aufzeichnung steht weiterhin zur Verfügung. Interessierte können die Gedenkfeier online anschauen.
Aufzeichnung der Gedenkfeierhttps://www.pforzheim.de/23februar
Mit der jährlich wiederkehrenden Gedenkfeier setzt Pforzheim ein klares Zeichen gegen das Vergessen und unterstreicht die Verantwortung für eine demokratische, friedliche Zukunft. Das ehrende Erinnern, die Mahnung und das internationale Miteinander werden dabei zu einem wichtigen gesellschaftlichen Signal – in der Stadt und über ihre Grenzen hinaus.
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