Pforzheim testet KI-gestützte Videoüberwachung

Projekt AWARE anonymisiert Aufnahmen und speichert nur bei Gewalt – Datenschutz und Bürgerbeteiligung im Fokus

Die Stadt Pforzheim plant einen innovativen Vorstoß zur Steigerung des Sicherheitsempfindens im öffentlichen Raum. Oberbürgermeister Peter Boch hat sich mit einem offiziellen Schreiben an die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, gewandt. Thema des Schreibens ist die Förderung des Projekts AWARE, einer intelligenten Videoüberwachungstechnologie, die in Pforzheim zum Einsatz kommen soll.

Intelligente Videoüberwachung zur Stärkung des Sicherheitsgefühls

AWARE verfolgt einen neuartigen Ansatz für die Stadtsicherheit: Die Technologie setzt auf künstliche Intelligenz (KI), um Videobilder in Echtzeit zu anonymisieren und gezielt nach Hinweisen auf Gewaltvorfälle zu durchsuchen. Ein zentraler Aspekt des Projekts ist dabei das Einhalten strenger Datenschutzanforderungen.

Laut Oberbürgermeister Boch steht Pforzheim vor einer "paradoxen Herausforderung": Obwohl die objektive Sicherheit auf hohem Niveau liegt, empfinden insbesondere schutzbedürftige Gruppen wie Frauen den öffentlichen Raum als weniger sicher. Dies führt in der Folge dazu, dass bestimmte Orte – vor allem die Innenstadt – gemieden werden, was negative Auswirkungen auf das soziale und wirtschaftliche Leben der Stadt hat.

Datenschutz und Funktionsweise des Projekts AWARE

Das System AWARE ist so konzipiert, dass es keinerlei Daten direkt überträgt. Die eingebundene künstliche Intelligenz sorgt für die sofortige Anonymisierung der Aufnahmen und schlägt nur dann Alarm, wenn ein Gewaltvorfall erkannt wird. In solchen Fällen werden die relevanten Videosequenzen gespeichert. Die Herausgabe von Bildmaterial erfolgt ausschließlich an die Polizei – und auch nur dann, wenn innerhalb einer festgelegten Frist eine Anzeige bezüglich eines konkreten Vorfalls am Standort eingeht.

Oberbürgermeister Boch hebt hervor, dass mit dieser Lösung die Vorteile moderner Videoüberwachung zur Stärkung des Sicherheitsgefühls genutzt werden können, ohne die rechtlichen Voraussetzungen für polizeiliche Videoüberwachung in als gefährlich eingestuften Zonen erfüllen zu müssen. Da solche Zonen in Pforzheim aufgrund der bereits bestehenden hohen objektiven Sicherheit nicht existieren, bietet AWARE einen alternativen Weg, um das Empfinden der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zu verbessern.

Begleitung durch Forschung und Einbindung der Bürger

Das Projekt wird von einem breiten Forschungsprogramm begleitet. Wissenschaftler messen und analysieren sowohl das subjektive als auch das objektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung – vor, während und nach der Einführung von AWARE. Damit verfolgt Pforzheim einen ganzheitlichen Ansatz, der auf Bürgernähe und Dialog setzt.

Peter Boch betont in seinem Schreiben an die Ministerin die Bedeutung, die Bevölkerung aktiv in die Entwicklung und Umsetzung des Projekts einzubeziehen. AWARE soll als Modell dienen, wie unterhalb der Schwelle polizeilicher Eingriffe Sicherheit gestärkt und stadtentwicklungspolitische Ziele, wie die Belebung der Innenstadt, erreicht werden können.

Signalwirkung für andere Kommunen

Der Oberbürgermeister sieht in AWARE ein mögliches Leuchtturmprojekt, das weit über die Grenzen Pforzheims hinaus als Vorbild dienen kann. Die Kombination aus striktem Datenschutz, KI-Forschung und bürgernaher Stadtentwicklung adressiert ein Problem, das viele Städte in Deutschland betrifft: Die Diskrepanz zwischen objektiver Sicherheit und dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.

Abschließend bleibt festzuhalten: Mit der Initiative rund um AWARE und dem klaren Fokus auf Datenschutz und Bürgerbeteiligung könnte Pforzheim einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um den Einsatz neuer Technologien im öffentlichen Raum leisten.

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