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Hochbegabung jenseits der Klischees

Drei Autorinnen berichten in Schwäbisch Hall von späten Diagnosen und dem Wert professioneller Tests

Von Redaktion Schwäbisch Hall21.10.25, 09:52

In diesem Artikel

NB
Natalie Bornkessel
BK
Birgit Krüger
PM
Petra Maaß
MP
Maya Peters

Die Lesung „Plötzlich hochbegabt – Weg von den Klischees“ in der Stadtbibliothek Schwäbisch Hall bot spannende Einblicke in das Thema Hochbegabung jenseits stereotyper Vorstellungen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, ausgerichtet in Zusammenarbeit mit der Bildungsregion, standen persönliche Erfahrungsberichte dreier Autorinnen, die erst spät von ihrer eigenen Hochbegabung erfuhren.

Neue Perspektiven auf Hochbegabung

Die statistische Verteilung des

Kurz erklärtIntelligenzquotient (IQ)

Der IQ ist eine Messzahl, mit der die intellektuelle Leistungsfähigkeit eines Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eingeschätzt wird. Ein IQ von 100 gilt als Durchschnitt. Ein Wert ab 130 wird als hochbegabt eingeordnet.

macht klar: Mit einem IQ ab 130 zählen etwa zwei Prozent der Bevölkerung zur Gruppe der Hochbegabten.

Die Anthologie „Plötzlich hochbegabt“ (Goldmann Verlag, 2025) bietet dazu 27 ehrliche Beiträge von Betroffenen, die erst als Erwachsene von ihrer Hochbegabung erfuhren. Mitwirkende sind allesamt Mitglieder im Hochbegabten-Verein Mensa und berichten offen von ihren Erlebnissen.

Persönliche Geschichten auf der Bühne

Am Dienstagabend lasen Natalie Bornkessel, Birgit Krüger und Petra Maaß ausgewählte Kapitel aus ihren eigenen Lebensläufen. Die Matinee zog rund 35 Interessierte und Betroffene an und wurde von einer sehr lebendigen Diskussion abgerundet, die Maya Peters von der Bildungsregion moderierte.

Jenseits des Klischees

Schnell zeigte sich: Hochbegabte Menschen passen nicht in ein starres Bild. Wiederkehrende Themen waren Gerechtigkeitssinn, Perfektionismus, Neugier und ein starker Wunsch nach Selbstbestimmung. Hobbys wie Sportkegeln und Kehlkopfsingen (Natalie Bornkessel) sowie das Ordnen von Wollvorräten oder Weißbier-Hitlisten mittels Excel-Tabellen (Birgit Krüger und Petra Maaß) unterstrichen die Individualität.

Mit dem verbreiteten Missverständnis, Hochbegabung sei stets ein Vorteil, räumten die Autorinnen auf. Schon im Kindesalter fühlten sich Bornkessel, Krüger und Maaß „anders“ und oft ausgegrenzt – ohne zunächst zu wissen, woran es lag. „Hochbegabte sind keineswegs immer Hochleister“, stellt Birgit Krüger klar.

Kurz erklärtImpostor-Syndrom (Hochstapler-Syndrom)

Das Impostor-Syndrom beschreibt das Gefühl, die eigenen Leistungen nicht verdient zu haben und trotz offensichtlicher Erfolge an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln.

Der Wert der Diagnose und der Austausch mit Gleichgesinnten

Für alle drei war das Ergebnis eines standardisierten IQ-Tests eine große Erleichterung: Die eigene Andersartigkeit konnte endlich eingeordnet werden. Die Option, über Mensa e.V. gezielt Anschluss und Austausch zu finden, wurde als wichtiger Schritt empfunden.

Praktischer Rat

Einigkeit herrschte am Ende der Veranstaltung: Wer wiederholt Anzeichen einer möglichen Hochbegabung wahrnimmt, sollte einen professionellen Test in Erwägung ziehen. Dadurch kann mehr Selbstakzeptanz entstehen – und ein wertvolles Netzwerk an Gleichgesinnten gefunden werden.

Die Lesung hat gezeigt, wie vielfältig Hochbegabung sich im Alltag äußert – und wie wichtig es ist, Vorurteile durch echte Erfahrungsberichte zu ersetzen. Natalie Bornkessel, Birgit Krüger und Petra Maaß stehen damit für einen offenen Umgang mit dem Thema und machen Mut, eigene Stärken bewusst zu leben.

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