Öhringen startet große Innenstadt-Offensive

Mit Fußgängerzone, digitalem Parkleitsystem und mehr Fahrradwegen soll die Stadt 2026 moderner und barrierefreier werden

Öhringen startet große Innenstadt-Offensive
Bild zum Beitrag© Redaktionsteam Öhringen

Der Öhringer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 18. November 2025 bedeutende Weichen für die Zukunft der Innenstadt gestellt. Das beschlossene Maßnahmenpaket basiert auf den Ergebnissen des Prozess-Coachings THE STÄDT, das vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg gefördert wurde und einen intensiven Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Einzelhandel und Politik ermöglichte.

Gemeinsame Stadtentwicklung durch breite Beteiligung

Über mehrere Monate hinweg beteiligten sich zahlreiche Menschen aus Öhringen an verschiedenen Formaten der Bürgerbeteiligung. Bei der aufsuchenden Beteiligung im Rahmen der Öhringer Woche auf dem Marktplatz brachten rund 150 bis 170 Personen ihre Wünsche und Ideen ein. Ergänzend fanden Gespräche mit dem Einzelhandel, ein Workshop und Beratungen im Gemeinderat statt.

Das vorrangige Ziel: Eine lebendige Innenstadt mit höherer Aufenthaltsqualität, weniger Parksuchverkehr und guter Zugänglichkeit. Oberbürgermeister Patrick Wegener betont: "Das Besondere an THE STÄDT ist, dass alle relevanten Akteure an einen Tisch gebracht wurden. Die Ergebnisse zeigen: Wenn wir gemeinsam diskutieren und Lösungen entwickeln, finden wir tragfähige Kompromisse für eine lebendige Innenstadt, die von allen mitgetragen werden."

Verkehrsversuch 2026: Neue Wege für den Marktplatz

Ein zentrales Element des Beschlusses ist der geplante Verkehrsversuch auf dem Marktplatz im Jahr 2026. Dabei sollen unterschiedliche Varianten der Flächennutzung und Verkehrsführung getestet werden. Die Einzelheiten werden in Zusammenarbeit mit allen betroffenen Gruppen und der Öffentlichkeit erarbeitet. Über eine begleitende Evaluation sollen die besten Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Verkehrsabwicklung identifiziert werden.

Zur Reduzierung des sogenannten "Poser"-Verkehrs könnten laut Oberbürgermeister Wegener auch Bodenschwellen zum Einsatz kommen.

Parkraumstrategie und digitales Parkleitsystem

Ein weiteres zentrales Thema ist die zukünftige Parkraumnutzung: Der ruhende Kfz-Verkehr soll überwiegend auf die Parkierungsanlagen entlang des Innenstadtrings verlagert werden. Diese gelten als gut erreichbar und ausreichend dimensioniert. Parkplätze innerhalb des Innenstadtrings sollen künftig vor allem dem Lade- und Lieferverkehr sowie Personen mit Mobilitätseinschränkungen vorbehalten bleiben. Ein Grundangebot an Kurzzeitparkständen bleibt erhalten.

Als moderne Unterstützung zur Steuerung des Verkehrs wird die Einführung eines digitalen Parkleitsystems geprüft. So sollen die verfügbaren Parkkapazitäten dynamisch angezeigt werden, etwa mit einer Auslastungsanzeige für den Marktplatz, um den Parksuchverkehr zu reduzieren.

Rathausstraße wird dauerhafte Fußgängerzone

Kernstück der beschlossenen Maßnahmen ist die dauerhafte Ausweisung der Rathausstraße als Fußgängerzone. Liefer-, Linien- und Radverkehr sowie Anwohnende erhalten weiterhin eine Durchfahrtsmöglichkeit. Die Rathausstraße wird so zum fußgängerfreundlichen Ringschluss zwischen den Fußgängerzonen Poststraße, Rathausstraße, Marktstraße und Marktplatz und stärkt das Konzept eines barrierearmen Rundwegs – mit nur geringer Unterbrechung am Hafenmarkt.

Bessere Fahrrad-Infrastruktur

Im Zuge der Mobilitätswende wird auch die Fahrradinfrastruktur weiterentwickelt. Die Stadt prüft zusätzliche Radabstellanlagen, insbesondere am Marktplatz. Angesichts des Trends zu hochwertigen E-Bikes und Pedelecs wächst der Bedarf an sicheren und komfortablen Abstellmöglichkeiten, auch mit Lademöglichkeiten und Überdachungen an wichtigen Standorten.

Barrierefreiheit durch "Komfortstreifen"

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Barrierefreiheit. Die Stadt prüft die Einrichtung sogenannter "Komfortstreifen" – Bereiche mit ebener Oberfläche, die es Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erleichtern, sich trotz historischer Kopfsteinpflasterung sicher durch die Innenstadt zu bewegen.

Runder Tisch zur Innenstadtentwicklung

Um den kontinuierlichen Austausch zwischen Verwaltung, Handel, Gastronomie und weiteren Gruppen zu gewährleisten, wird ein runder Tisch eingerichtet. Dieses neue Format soll regelmäßig aktuelle Themen, künftige Veranstaltungen sowie Verbesserungsideen für die Innenstadt besprechen und so die Beteiligung verstetigen.

Stetiger Prozess für die Zukunft Öhringens

Anna-Maria Dietz, Amtsleiterin für Stadtmarketing, Kultur und Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins Öhringen Lieblingsstadt, sieht im Projekt einen Auftakt: "THE STÄDT war ein wichtiger Impuls, aber kein abgeschlossenes Konzept. Das Arbeitshilfe-Papier, das uns Fachbüros bis Jahresende zur Verfügung stellen, enthält weitere infrastrukturelle und prozessuale Maßnahmenvorschläge. Der Prozess der Innenstadtentwicklung geht damit weiter – gemeinsam mit allen, die unsere Stadt mitgestalten wollen."

Mit diesen Schritten setzt Öhringen ein klares Zeichen für mehr Aufenthaltsqualität, Nachhaltigkeit und Teilhabe auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Innenstadt.

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