Fritz Kuhn feiert 70. Geburtstag

Wie der erste grüne Oberbürgermeister Stuttgarts die Stadt nachhaltig prägte

Am 29. Juni begeht Fritz Kuhn, ehemaliger Oberbürgermeister von Stuttgart, seinen 70. Geburtstag. Kuhn, der von 2013 bis 2020 die Landeshauptstadt führte, gilt als prägende Persönlichkeit der baden-württembergischen und deutschen Politiklandschaft. Seine Amtszeit war geprägt durch eine Vielzahl wegweisender Initiativen und einen beharrlichen Fokus auf Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Ausgleich.

Ein Rückblick auf eine grüne Karriere

Kuhn wurde 2012 als erster grüner Oberbürgermeister einer Großstadt in Deutschland gewählt. Bereits zuvor brachte er umfassende politische Erfahrung mit: Er war drei Legislaturperioden im Landtag Baden-Württemberg aktiv und ab 2000 Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Im Bundestag war er von 2002 bis 2013 vertreten, darunter als Fraktionsvorsitzender.

Impulse für Stuttgart und darüber hinaus

Während seiner achtjährigen Amtszeit in Stuttgart setzte Kuhn zahlreiche Impulse. Seine Schwerpunkte lagen unter anderem auf:

  • Umwelt- und Klimapolitik
  • Bezahlbarem Wohnraum und Urbanisierung
  • Nachhaltiger Mobilität
  • Stärkung der Kulturlandschaft und Integrationspolitik
  • Kinderfreundlichkeit und Inklusion
  • Kuhns Stil zeichnete sich durch einen sachorientierten und realpolitischen Ansatz aus, der, wie sein Nachfolger Dr. Frank Nopper betont, „die oft hitzigen Diskussionen in einer zutiefst gespaltenen Stadtgesellschaft weitgehend befriedete“.

    Konkrete Maßnahmen und nachhaltige Wirkung

    Ein zentrales Anliegen war Kuhn die Förderung nachhaltiger Infrastruktur. Unter dem Motto „nachhaltig mobil“ entstanden Maßnahmen wie das Jobticket für Beschäftigte, eine umfassende Tarifreform beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), der Ausbau des ÖPNV und der Grundsatzbeschluss, Stuttgart zu einer „echten Fahrradstadt“ zu entwickeln. Gleichzeitig zeigte Kuhn Verständnis für wirtschaftliche Realitäten und betonte die Bedeutung der Automobilindustrie für die Stadt.

    Das große Klimaschutzpaket „Klima-Aktionsprogramm 2019-2023“ setzte einen finanziell und strategisch bedeutenden Rahmen, um die CO₂-Reduktion bis 2030 zu beschleunigen. Neben erneuerbaren Energien und Energieeinsparungen hob Kuhn die Bedeutung der Stadtwerke als „Motor der Energiewende“ hervor. Die erfolgreiche Konzessionsvergabe für Strom- und Gasnetze war ein wichtiger Schritt hierfür.

    Stadtentwicklung und soziale Verantwortung

    Kuhn setzte sich für Nachverdichtung und Innenentwicklung ein, lehnte jedoch großflächige Bebauungen außerhalb der Stadtgrenzen entschieden ab. Sein Ziel: ein nachhaltiges Stuttgart, das bezahlbaren Wohnraum bietet und als beliebter Wohnort gilt.

    Im Bereich Integration etablierte er das „Stuttgarter Modell“ zur dezentralen Unterbringung von Geflüchteten und stärkte damit Toleranz und Weltoffenheit. Auch die Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige wurde während seiner Amtszeit erheblich ausgebaut.

    Kultur, Wettbewerb und Stadtvisionen

    Unter Kuhn wurden neue Kultureinrichtungen angestoßen und Stuttgart als Kreativstandort weiterentwickelt. Wichtige städtebauliche Projekte wie der Wettbewerb Rosenstein, die Vorbereitung der Internationalen Bauausstellung 2027 und der Masterplan „Stadt am Fluss“ trugen seine Handschrift.

    Persönlicher Werdegang und Familie

    Fritz Kuhn wurde 1955 in Bad Mergentheim geboren, wuchs in Memmingen auf und studierte Germanistik und Philosophie. Nach einer wissenschaftlichen Tätigkeit widmete er sich vollständig der Politik. Er ist verheiratet mit Waltraud Ulshöfer und hat zwei Söhne.

    Die Stadt Stuttgart gratuliert Fritz Kuhn zu seinem 70. Geburtstag und würdigt eine politische Lebensleistung, die in vielerlei Hinsicht noch heute nachwirkt.

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