Nahversorgung im Rappenpavillon: Umbau für ein Geschäft in Freudenstadt

Oest übernimmt das Gebäude und plant Waren des täglichen Bedarfs mit regionalem Konzept sowie digitalen technischen Abläufen

Freuen sich auf das Projekt Rappenpavillon (von links): Thomas Gärtner, Ann-Cheryl Römpp, Matthias Pape, Geschäftsführer von Oest Energies, und Oberbürgermeister Adrian Sonder.
Freuen sich auf das Projekt Rappenpavillon (von links): Thomas Gärtner, Ann-Cheryl Römpp, Matthias Pape, Geschäftsführer von Oest Energies, und Oberbürgermeister Adrian Sonder.Foto: Rath/Stadtverwaltung

In Freudenstadt soll im Rappenpavillon in der Straßburger Straße wieder ein Geschäft zur Nahversorgung entstehen. Die Firma Oest hat das Gebäude von der Stadt übernommen und richtet dort ein Ladengeschäft mit Waren des täglichen Bedarfs ein. Nach Angaben des Unternehmens soll das Konzept regional ausgerichtet sein und zugleich besondere technische Abläufe nutzen.

Der Gemeinderat hatte den Verkauf des Gebäudes an das Freudenstädter Unternehmen bereits beschlossen, der Notartermin fand ebenfalls schon statt. Am Mittwoch besprachen Oberbürgermeister Adrian Sonder und Thomas Gärtner, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, mit Matthias Pape, Geschäftsführer von Oest Energies, sowie Ann-Cheryl Römpp, Leiterin Category Management und Marketing von Oest Energies, das weitere Vorgehen.

Sonder bezeichnete das Vorhaben als einen Glücksfall für die Stadt. Die Frage einer lokalen Nahversorgung an dieser Stelle beschäftige die Stadtentwicklung bereits seit längerer Zeit, sagte er. Besonders von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Rappenparks sei ihm seit Beginn seiner Amtszeit mehrfach der Wunsch nach einer Einkaufsmöglichkeit vorgetragen worden.

Auch für Oest hat das Projekt eine besondere Bedeutung. Matthias Pape erinnerte daran, dass ihm das Gebäude schon bei einem frühen Besuch in Freudenstadt aufgefallen sei. Er sprach von einem Leuchtturmprojekt und betonte, dass das Unternehmen die Chance habe, Gebäude und Geschäftskonzept gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die Umbau- und Renovierungsarbeiten sollen in Kürze beginnen. Nach Unternehmensangaben ist es möglich, dass sie noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Zugleich verwies Pape darauf, dass sich bei der Sanierung historischer Bausubstanz immer Überraschungen ergeben können.

Geplant sind regionale Produkte und ein Betrieb ohne Personal

Wie Ann-Cheryl Römpp erläuterte, soll aus dem früheren Kiosk ein Laden mit regional erzeugten Produkten des täglichen Bedarfs werden. Genannt wurden Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte, Konfitüre und Honig sowie Getränke wie Limonade und Mineralwasser. Insgesamt sollen es rund 300 Artikel sein.

Hinzu kommen eine Selbstbedienungs-Kaffeemaschine im Eingang, zwei Terminals am Tresen zum Bestellen sowie ein Fenster, durch das ein Teil des Sortiments sichtbar ist. Kommissioniert werden die Bestellungen von einem Roboter. Der Laden soll rund um die Uhr geöffnet sein; Personal ist dafür nicht notwendig.

Kundinnen und Kunden kennen das Konzept bereits von der Box in der Wittlensweiler Straße. Der Rappenpavillon soll nach Angaben des Unternehmens als Testgeschäft dienen, um Erkenntnisse für den Direktverkauf an anderen Stellen zu gewinnen. Matthias Pape sprach in diesem Zusammenhang von einer Forschungsarbeit für bestimmte Produktgruppen.

Auch in den AVIA-Tankstellen des Unternehmens wird die regionale Produktvermarktung verfolgt, etwa in der Schwarzwaldtankstelle in Dornhan.

Historischer Hintergrund des Gebäudes

Der Rappenpavillon ist das letzte noch existierende Bauwerk des einstigen Hotels Rappen. Der historische Hotelkomplex wurde im Jahr 2000 bei einem Brand zerstört. An der Stelle befindet sich heute der Rappenpark mit Wohnungen sowie Appartements für betreutes Wohnen im Alter.

Der Pavillon an der Straßburger Straße ist durch seine barocke Lustgarten-Architektur geprägt. Er diente früher als Kiosk für Feinkost, Zigarren, Zeitungen und Branntweine, stand zuletzt aber viele Jahre leer. Frühere Überlegungen zur Nachnutzung, etwa als Bar, scheiterten.

Das Gebäude wurde 1911 nach Plänen des Architekten Professor Albert Bauder errichtet. Bauder plante insgesamt rund zwei Dutzend markante Gebäude im Heimat- und Jugendstil in Freudenstadt, die das Stadtbild bis heute prägen. 2023 erhielt der Pavillon durch Meisterschüler der Robert-Mayer-Schule Stuttgart ein neues Blechdach mit kunstvoll gefertigter Spitze. Die jungen Handwerker investierten mehr als 1000 Arbeitsstunden in das Dach.

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