Offenburger Zweitklässler lernen, eigene Grenzen zu schützen

Wie nehmen Kinder ihre Gefühle wahr, wann dürfen sie Nein sagen und wo finden sie Hilfe? Mit diesen Fragen befasst sich das Projekt „Lisa bzw. Paul entdeckt die Weltexterner Link, öffnet ein neues Fenster“, das im Oktober an der Eichendorff-Schule gestartet ist. Es richtet sich an die zweiten Klassen und soll Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen sowie ihre Selbstständigkeit stärken.
Umgesetzt wird das Angebot gemeinsam von der Eichendorff-Schule und dem Stadtteil- und Familienzentrum Albersbösch, vertreten durch die Schulsozialarbeit. Klassenleitungen und Schulsozialarbeiterin gestalten die Unterrichtseinheiten gemeinsam im Rahmen des sozialen Lernens. Für jeden der acht Themenbereiche sind etwa ein bis zwei Schulstunden vorgesehen.
Gefühle wahrnehmen und Hilfe finden
Als Grundlage dienen Bilderbücher und Arbeitshefte der „Aktion Kinderschutz“. Jedes Kind erhält ein Buch und eine Arbeitsmappe. Ergänzend kommen Spiele, Übungen und Lieder zum Einsatz. Die Kinder setzen sich mit eigenen Gefühlen und Grenzen auseinander, üben, Nein zu sagen, und lernen, an wen sie sich wenden können, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Auch der Umgang mit Geheimnissen und das Bescheidgeben über Aufenthaltsorte und Begleitung sind Teil des Projekts.
„Schule ist ein Lern- und Lebensort. Die Kinder sollen sich hier sicher und wohl fühlen, auf Personen treffen, denen sie sich anvertrauen können, und bei denen sie Hilfe finden“, sagt Sabine Enderle, Schulsozialarbeiterin am Stadtteil- und Familienzentrum Albersbösch.
Das Thema wird altersgerecht und in einem geschützten Rahmen behandelt. Die Bilderbücher stellen keine möglichen Gewaltszenarien dar. Auch die Eltern werden mit einer Information über das Projekt einbezogen.
Bürgerstiftung finanziert Materialien
Die Bürgerstiftung St. Andreas stellt 1.132,88 Euro für die Anschaffung der Bücher und Arbeitshefte bereit. Nach Angaben der Stadt können Schulen die Materialien kostenlos erhalten, wenn Patinnen, Paten oder Spender die Anschaffung finanzieren. Die Prävention sexualisierter Gewalt soll auch künftig Thema in Schule und Schulsozialarbeit bleiben. Ob dauerhaft dieselben Materialien genutzt werden können, hängt unter anderem von der Finanzierung und der praktischen Umsetzbarkeit ab.
Beratung und Unterstützung
Wer selbst sexualisierte Gewalt erlebt hat oder Beratung sucht, kann sich an „Aufschrei! – Ortenauer Verein gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen e. V.“ wenden: Hindenburgstraße 28, Telefon 0781/31000.
Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer anonym und kostenlos unter 116111. Eine Beratung ist auch im Online-Chat unter nummergegenkummer.de/online-beratung möglich. Das bundesweite Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch berät anonym, kostenfrei und vertraulich unter 0800 22 55 530.
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