Wertheim baut kommunale Unterstützung für Hausarztpraxen aus
Wertheim will die hausärztliche Versorgung mit einer stärkeren kommunalen Koordination sichern. Beim sechsten Netzwerktreffen der Beteiligten am Gesundheitsstandort im Arkadensaal des Rathauses stellte Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim die Handlungsempfehlungen einer Standortanalyse vor. Die Stadt sieht sich dabei nicht als Betreiberin medizinischer Einrichtungen, sondern als koordinierende und strukturfördernde Akteurin.
Die Analyse warnt vor einer möglichen deutlichen Verschlechterung der Versorgung in den kommenden drei bis sieben Jahren, wenn strukturelle Gegenmaßnahmen ausbleiben. Als Gründe nennt sie den altersbedingten Rückzug von Ärztinnen und Ärzten, eine höhere Belastung der verbleibenden Praxen, Schwierigkeiten bei Nachbesetzungen und veränderte Erwartungen des ärztlichen Nachwuchses.
Akut unterversorgt ist Wertheim derzeit nicht: Laut Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung mit Stand Juli 2026 beträgt der Versorgungsgrad 97,3 Prozent. Der Bereich ist für Neuzulassungen offen. Im August eröffnete die „Praxis DocKötter“ in der Hospitalstraße; die Stadt hatte den Ansiedlungsprozess begleitet.
Koordination und Nachwuchsgewinnung
Gemeinsam mit der Ärzteschaft treibt die Stadt die Einrichtung eines Planungs- und Koordinationskreises „Hausärztliche Versorgung Wertheim“ voran. Er soll gefährdete Praxen begleiten, zukunftsorientierte Großpraxen und neue Versorgungsstrukturen unterstützen sowie bei Bedarf Zusammenschlüsse und Umzüge begleiten. Als möglicher Ort für solche Entwicklungen wird vor allem das neu entstehende „Gesundheitszentrum Reinhardshof“ genannt.
Die Stadt beteiligt sich außerdem am Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin des Main-Tauber-Kreises. In Wertheim ist die Zahl der zur Weiterbildung befähigten und befugten Medizinerinnen und Mediziner zuletzt gestiegen. Geplant ist zudem eine kommunale Nachwuchsoffensive für medizinische Fachangestellte. Der Gemeinderat stimmte laut Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez dem von der Verwaltung vorgeschlagenen weiteren Vorgehen zu und bewilligte personelle und finanzielle Ressourcen.
Fortschritte im Bürgerspital und am Mediclin Campus
Beim Netzwerktreffen berichteten Vertreterinnen des Bürgerspitals über den Stand der dortigen Entwicklung. Nach rund 20 Monaten seien bereits mehr als die Hälfte der bis Ende 2027 gesetzten Ziele erreicht. Dazu zählen der durchgehende Betrieb der Zentralen Notaufnahme, eine Aufnahme- beziehungsweise Kurzliegerstation und die Zertifizierung des Adipositaszentrums.
Seit dem Tag der offenen Tür im September 2025 ist die Zahl der Beschäftigten des Bürgerspitals laut Mitteilung um 93 auf 208 gestiegen. Zu den genannten Investitionen gehören eine 3D-Laparoskopie, eine High-End-Endosonografie, Laborausstattung und neue Betten. Spot-Monitore für die Stationen finanzierte der Förderverein.
Auch der Mediclin Campus, eine Fachklinik für neurologische Rehabilitation, erweitert nach Angaben von Klinikmanager Norbert Jäger und Therapieleiterin Barbara Zündel seine Bettenkapazitäten und den Therapiebereich. Die Maßnahmen umfassen den Umbau des früheren Labors und Archivs, neue Therapiegeräte sowie eine Erweiterung der neuropsychologischen Diagnostik.
Bereits am 12. Oktober berichteten wir über die Tagesordnung des Wertheimer Gemeinderatsexterner Link, öffnet ein neues Fenster, auf der auch das weitere Vorgehen zur hausärztlichen Versorgung behandelt wurde.
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