Ostalbkreis-Konferenz rückt geschlechtsspezifische Medizin in den Fokus

Die Gesundheitskonferenz des Ostalbkreises beleuchtete am 7. Oktober Unterschiede bei Krankheiten, Diagnose, Behandlung und Vorsorge von Frauen und Männern.

Von Redaktion LK Ostalbkreis1 Min. Lesezeit

Wie unterscheiden sich Gesundheit und Krankheit bei Frauen und Männern – und welche Folgen hat das für Diagnose, Behandlung und Vorsorge? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Kommunale Gesundheitskonferenz des Ostalbkreises am 7. Oktober im Landratsamt Aalen. Rund 90 Teilnehmende kamen zu der Veranstaltung unter dem Titel „Gleich gesund? Gleich krank? Gesundheit geschlechtersensibel denken“.

In vier Fachvorträgen beleuchteten Expertinnen und Experten medizinische und gesellschaftliche Aspekte. Dr. med. Ursula Marschall vom BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung sprach über geschlechtersensible Medizin, Vorgaben für Arzneimittelstudien und den Gender Data Gap. An ausgewählten Krankheitsbildern und Vorsorgeuntersuchungen erläuterte sie Unterschiede im Auftreten und im Umgang mit Erkrankungen.

Prof. Dr. med. Peter Seizer, Chefarzt der Inneren Medizin II am Ostalb-Klinikum Aalen, thematisierte geschlechtsspezifische Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei ging es unter anderem um unterschiedliche Symptome sowie Einflüsse im Lebensverlauf von Frauen, die das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen können.

Dr. med. Andreas Raether, Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Schloss Winnenden, sprach über Unterschiede im Umgang mit Emotionen und Stress. Frauen seien 1,5- bis 2-mal häufiger von Depressionen betroffen. Männer machten Gefühle eher mit sich selbst aus; dies könne unter anderem das Suizidrisiko besonders bei Männern über 65 Jahren erhöhen. Beim internen Gefühlsleben gebe es laut Raether keine großen geschlechterspezifischen Unterschiede.

Lotta Jahl von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd zeigte, wie Geschlechternormen das Gesundheitsverhalten prägen können. Beispiele waren Ernährung, die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsangeboten sowie Substanzkonsum. Als mögliche Ansatzpunkte nannte sie geschlechtergerechte Angebote, Sensibilisierung und familienfreundliche Arbeitszeiten.

Zum Abschluss beantworteten die Referentinnen und Referenten bei einer Podiumsdiskussion Fragen aus dem Publikum. Landrat Dr. Joachim Bläse hatte die Konferenz eröffnet und dafür geworben, dem Thema künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

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