Q-Fieber: Vier gemeldete Fälle im Zollernalbkreis

Im Zollernalbkreis sind aktuell mehrere Personen an Q-Fieber erkrankt. Dem Gesundheitsamt wurden nach Angaben der Kreisverwaltung inzwischen vier nachgewiesene Fälle gemeldet. Die Betroffenen stammen aus Rangendingen.
Erstmals wurde das Gesundheitsamt am Freitag, 18. September 2026, von einer ortsansässigen Arztpraxis über das Auftreten pulmonaler Erkrankungen bei mehreren Patienten informiert. Daraufhin wurde umgehend eine Diagnostik auf Q-Fieber eingeleitet. Der erste Fall wurde noch am Freitagabend bestätigt, drei weitere kamen bis Mittwoch, 23. September, hinzu.
Übertragung und Krankheitsbild
Q-Fieber ist eine fast weltweit verbreitete Erkrankung bei Tieren und Menschen. Verursacht wird sie durch das Bakterium Coxiella burnetii. Übertragen wird die Krankheit auf den Menschen häufig durch Schafe, die den Erreger vor allem bei der Geburt von Lämmern ausscheiden. Auch Ziegen und Rinder können den Erreger übertragen.
Die Weitergabe an Menschen erfolgt hauptsächlich durch den direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder durch das Einatmen infektiösen Staubs über die Atemluft. Der Erreger kann längere Zeit in der Umwelt überleben und mit Staub durch den Wind verbreitet werden.
Die Zeit von der Erregeraufnahme bis zur Erkrankung beträgt in der Regel zwei bis drei Wochen. Etwa die Hälfte aller Infektionen verläuft ohne Beschwerden oder mit milden grippeähnlichen Symptomen und heilt spontan nach ein bis zwei Wochen aus. Eine akute Infektion beginnt meist mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Im weiteren Verlauf kann eine Lungenentzündung oder eine Leberentzündung auftreten. Personen mit entsprechenden Symptomen wird eine ärztliche Abklärung empfohlen.
Besondere Risiken für Schwangere und Vorerkrankte
Insbesondere Personen mit Herzerkrankungen oder Immundefekten sowie Schwangere haben ein höheres Risiko, eine chronische Q-Fieber-Erkrankung zu entwickeln. Da auch symptomlose Infektionen zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen können, wird Schwangeren in Rangendingen grundsätzlich eine Blutkontrolle zum Ausschluss einer Q-Fieber-Infektion empfohlen.
Die durchgemachte Erkrankung verleiht eine sehr lang andauernde Immunität. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Eine Isolierung der Erkrankten ist nicht erforderlich, da Q-Fieber nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Weitere Ermittlungen
Das Veterinäramt übernimmt die weiteren Ermittlungen zu möglichen Infektionen bei Tieren. Der bisher letzte größere Q-Fieber-Ausbruch im Zollernalbkreis war im Jahr 2019. Nach Einschätzung der Kreisverwaltung hat vermutlich die jüngste Trockenheit das aktuelle Ausbruchsgeschehen begünstigt.
Hintergrund: mögliche Spätfolgen
Nach einer akuten Q-Fieber-Infektion können auch bei mildem Verlauf noch anhaltende Beschwerden auftreten. In bis zu 40 Prozent der Fälle bleiben klinische Symptome und Beeinträchtigungen der Lebensqualität über 12 bis 24 Monate bestehen. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Fatigue, also Erschöpfung und Müdigkeit, Beeinträchtigungen im Alltag, Konzentrationsschwäche, Muskelschmerzen und Nachtschweiß. Außerdem wird das vor der Erkrankung vorhandene Leistungs- und Arbeitsniveau oft noch nach einem Jahr nicht wieder erreicht.
Das Post-Q-Fieber-Fatigue-Syndrom lässt sich durch Antibiotikagabe nicht beeinflussen. Deshalb werden psychosomatische und verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze empfohlen.
Weitere Informationen zu Q-Fieber
Q-Fieber wird durch Coxiella burnetii verursacht und kann Menschen wie Tiere betreffen. In Deutschland erfolgt die Übertragung auf den Menschen hauptsächlich durch infizierte Schafe und Ziegen, seltener durch Rinder, Katzen und andere Tierarten. Infizierte Tiere scheiden das Bakterium vor allem während der Geburt oder einer Fehlgeburt in großen Mengen aus. Menschen können sich sehr leicht durch das Einatmen bakterienhaltiger Staubpartikel infizieren.
Bei einem akuten Verlauf können Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Frontalkopfschmerzen auftreten. Selten kommt es zu einer Lungenentzündung oder Leberentzündung. Ein Test auf Q-Fieber ist mittels Blutprobe möglich; bei einem Nachweis kann die Krankheit gezielt mit Antibiotika behandelt werden.
Eine chronische Q-Fieber-Erkrankung kann laut der Mitteilung in etwa einem Prozent der Fälle 6 Monate bis zu 10 Jahre nach der Infektion auftreten. Sie muss meist über mehrere Jahre mit Antibiotika therapiert werden und weist unbehandelt eine hohe Sterblichkeitsrate auf. Typische Anzeichen sind häufig eine Herzinnenhautentzündung, seltener eine Leberentzündung.
Besonders gefährdet sind Personen mit beruflichem Kontakt zu Schafen, Ziegen oder Rindern beziehungsweise zu Materialien dieser Tiere. Auch für Schwangere kann das Risiko für Fehl- und Frühgeburten sowie für ein geringes Geburtsgewicht des Neugeborenen erhöht sein. Eine Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind innerhalb der Gebärmutter mit Spätfolgen für das Kind wurde bisher nicht beschrieben.
Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder schwerer Immunsuppression haben ein stark erhöhtes Risiko für den Übergang in eine chronische Infektion.
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