Friedrichshafen beschließt sozialräumliche Infrastrukturplanung

Welche Einrichtungen und Angebote in Friedrichshafen gebraucht werden, soll künftig systematischer nach den Bedingungen vor Ort beurteilt werden. Der Gemeinderat stimmte am 19. Oktober der sozialräumlichen Infrastrukturplanung (SIP) als Grundlage für die Planung und Priorisierung zu. Ziel ist eine wohnortnahe Versorgung, die sich am Bedarf orientiert und vorhandene Flächen und Gebäude möglichst effizient nutzt.
Zwölf Sozialräume im Blick
Die Stadt wird dafür in zwölf Sozialräume gegliedert, die jeweils mehrere benachbarte Quartiere umfassen. Betrachtet werden unter anderem Bildung, Sport, Kultur, Gesundheit, Nahversorgung sowie soziale Dienstleistungen und Beratung. Dazu zählen etwa Kindertagesstätten und Grundschulen, Sport- und Freizeiteinrichtungen, medizinische Angebote, Seniorenangebote, Quartiers- und Integrationsmanagement sowie Kinder- und Jugendtreffs. Auch Angebote, auf die die Stadt keinen direkten Einfluss hat – etwa Arztpraxen, Apotheken und Angebote freier sozialer Träger –, sollen einbezogen werden.
Prognosen sollen ab 2027 einfließen
Für eine belastbare Einschätzung hat die Stadt ein externes Demographiegutachten beauftragt. Es soll kleinräumige Prognosen nach Altersgruppen und Aufsiedlungsgebieten ermöglichen. Die Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet und sollen ab 2027 schrittweise in die Planung einfließen. Eine feste Zahl von Einrichtungen, die jeder Sozialraum haben muss, ist nicht vorgesehen. Stattdessen sollen die Bedarfe etwa bei Kitas, Schulen, Seniorenangeboten und Sporthallen regelmäßig überprüft und angepasst werden.
Vorhandene Gebäude zuerst prüfen
Die SIP ist mit dem Suffizienzansatz der Stadt verbunden, also einer nachhaltigen Ermittlung des Bedarfs. Vor Neubauten soll zunächst geprüft werden, ob vorhandene Gebäude saniert, umgebaut oder umgenutzt werden können. Auch multifunktionale Nutzungen, Modulbauten und Bauvorhaben durch Dritte sollen in Betracht kommen. Für freiwillige Angebote wie Quartiersmanagement, Integrationsmanagement oder Familientreffs sind grundsätzlich keine eigenständigen neuen Gebäude vorgesehen. Bei Schulen und Kitas können Neubauten weiterhin nötig sein, wenn der Bedarf sie rechtfertigt.
Ämterübergreifende Planung
Die Umsetzung setzt laut Stadt auf enge Zusammenarbeit über Dezernats- und Amtsgrenzen hinweg. So sollen unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammengeführt und Angebote gezielt an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden. Die SIP soll Bauvorhaben priorisieren und den Einsatz finanzieller Mittel gezielter steuern. Sie wurde bereits bei der Aufstellung des Verwaltungsentwurfs für den Doppelhaushalt 2027/2028 berücksichtigt.
Die Planung soll regelmäßig fortgeschrieben und um weitere Themen ergänzt werden. Dazu gehört unter anderem Gastronomie als möglicher sozialer Ankerpunkt in den Sozialräumen; auch das Thema Wohnen soll eng mit der SIP verzahnt werden. Da Klimawirkung und Ziele der integrierten Stadtentwicklung berücksichtigt werden, löst die SIP den FN!-Check und den Klima-Check als verwaltungsinternes Steuerungsinstrument ab.
Weitere Informationen und Vorlagen zu öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats und der Ausschüsse stehen im Sitzungsdienst der Stadt Friedrichshafenexterner Link, öffnet ein neues Fenster.
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