Friedrichshafener Delegation beim Bundeskongress der Räte der Religionen
Wie können Religionsgemeinschaften das friedliche Zusammenleben stärken? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 11. und 12. Oktober mehr als 90 Vertreterinnen und Vertreter aus 45 Städten beim 9. Bundeskongress der Räte der Religionen in Stuttgart. Für Friedrichshafen nahmen Bastian Rädle und Constanze Friz von der Stadtverwaltung sowie Anil Kaya vom Friedrichshafener Integrations- und Bildungsverein (FIB) teil.
Unter dem Motto „Religion – Bedrohung oder bedroht?“ berieten die Delegierten darüber, wie das friedensstiftende Potenzial von Religionen die Demokratie stärken kann. Kulturelle und religiöse Vielfalt solle nicht als Gefahr gelten, sondern als tragende Säule einer toleranten Stadtgesellschaft, heißt es in der Mitteilung.
Der Kongress stand vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Belastungen, darunter globale Krisen, die Nachwirkungen der Pandemie und Konflikte im Nahen Osten. Diese könnten Vorurteile, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus fördern. Rädle, Leiter des Forums der Religionen Friedrichshafen und der Abteilung Gesellschaft, sagte: „Der Kongress hat gezeigt, dass ein respektvoller Dialog der beste Schutz gegen Radikalisierung ist“.
Impulse aus Stuttgart für die Arbeit vor Ort
Die Friedrichshafener Delegation wolle die gewonnenen Kontakte und Methoden nutzen, um die Zusammenarbeit zwischen den Glaubensgemeinschaften am Bodensee weiter auszubauen, erklärte Rädle. Die Auftaktveranstaltung fand auf Einladung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg in der Stuttgarter Synagoge statt; anschließend gab es ein interreligiöses Friedensgebet auf dem Schlossplatz.
Der baden-württembergische Sozialminister Oliver Hildenbrand und der Stuttgarter Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, Dr. Clemens Maier, bezeichneten den Dialog der Räte als „gelebte Demokratie“. Hauptredner Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, sprach über die Renaissance von Verschwörungstheorien. Er empfahl, auch die Schattenseiten der eigenen religiösen Traditionen kritisch zu betrachten und im Dialog das Verbindende in den Mittelpunkt zu stellen.
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