Ulm plant mehr Hilfe für wohnungslose Menschen
Die Stadt Ulm will obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen früher erreichen und zusätzliche Wohn- und Übernachtungsangebote schaffen. Der Fachbereichsausschuss Bildung und Soziales befasste sich am Mittwoch mit dem Maßnahmenpaket „Ulm - eine Stadt für Alle“. Es soll die Wohnungsnotfallhilfe für die Jahre 2026 bis 2030 weiterentwickeln.
Gebündelte aufsuchende Arbeit
Ab 2027 soll ein Team in der Innenstadt Kompetenzen aus den Bereichen Wohnungslosigkeit, Suchthilfe und psychische Erkrankungen bündeln und Betroffene direkt ansprechen. Neben der Beratung zu bestehenden Angeboten soll die Arbeit Menschen erreichen, die vom bisherigen Hilfesystem schwer erreicht werden, und dazu beitragen, Konflikten im öffentlichen Raum vorzubeugen.
Für das gebündelte Angebot ist bei der Caritas Ulm-Alb-Donau eine zusätzliche Vollzeitstelle vorgesehen. Die Fachkräfte sollen mit dem Kommunalen Ordnungsdienst, der Polizei, den Gesundheitsdiensten und weiteren sozialen Angeboten zusammenarbeiten. Bereits ab Herbst sollen städtische Stellen und Polizei die Situation an entsprechenden Orten regelmäßig bewerten und ihre Einsätze besser abstimmen.
Wohnangebote und Erfrierungsschutz
Gemeinsam mit der Caritas will die Stadt zunächst die bisherigen Erfahrungen mit dem Housing-First-Ansatz auswerten. Dabei erhalten wohnungslose Menschen zunächst eigenen, sicheren Wohnraum und anschließend freiwillige Unterstützung. Untersucht werden sollen unter anderem Betreuungsaufwand, rechtliche und finanzielle Risiken sowie mögliche Konflikte im Wohnumfeld. Ab 2028 könnte daraus ein Modellprojekt für eine kleine Zielgruppe folgen.
Gemeinsam mit der ZAWO Ulm plant die Stadt außerdem ein flexibles ambulantes Wohnangebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Eine geeignete Immobilie wurde gefunden. Das Angebot soll Menschen unterstützen, die bislang häufig zwischen Wohnungslosenhilfe, psychiatrischer Versorgung und Eingliederungshilfe wechseln. Der Wohnort soll stabil bleiben, während sich die Unterstützung nach dem Bedarf richtet. Nach den Planungen könnten 2027 die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen; vorgesehen sind bis zu acht Plätze.
Die Paketposthalle soll langfristig als niederschwelliger Erfrierungsschutz erhalten bleiben. Ab November 2026 sollen dort in Nächten mit Minusgraden 20 bis 30 Schlafplätze bereitstehen. Zudem soll die Beratung am Morgen ausgebaut und stärker mit der aufsuchenden Arbeit und den bestehenden Hilfsangeboten verzahnt werden. Für den Winter 2026/2027 sind wegen gestiegener Kosten für Reinigung, sanitäre Anlagen und Betreuung rund 10.000 Euro zusätzlich vorgesehen.
Für junge Erwachsene soll die neue „NoLa – Notschlafstelle in der Ladenzeile“ im Trollingerweg zum Winter 2026 acht Übernachtungsplätze für 18- bis einschließlich 26-Jährige anbieten. Neben einer geschützten Übernachtungsmöglichkeit gibt es sanitäre Einrichtungen, Dusch- und Waschmöglichkeiten sowie sozialpädagogische Unterstützung durch die Mobile Jugendsozialarbeit. Die NoLa soll junge Menschen möglichst früh stabilisieren und ihnen den Zugang zu weiterführenden Hilfen und einer Wohnperspektive eröffnen.
Mehr Beratungsfälle
Die Fachberatung der Caritas verzeichnete zwischen 2021 und 2025 einen Anstieg von 235 auf 501 Fälle und damit mehr als eine Verdoppelung. Das DRK-Übernachtungsheim ist laut Stadt ganzjährig stark ausgelastet. Auch bei jungen Erwachsenen beobachtet die Stadt eine zunehmende akute oder verdeckte Wohnungslosigkeit.
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