Weinheimer Montessori-Schule: Vier Containerklassen und Teile des Außengeländes gesperrt
An der Maria-Montessori-Schule in Weinheim schränken zwei unterschiedliche Schadstofffunde den Schulalltag ein. Die Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum in Trägerschaft des Rhein-Neckar-Kreises. Vier Containerklassenzimmer sind wegen belasteter Raumluft gesperrt. Zudem wurden auf einem Teil des Außengeländes PFAS nachgewiesen; der Kreis ließ deshalb auf Empfehlung des Gesundheitsamtes Flächen vorsorglich absperren.
Vier Containerklassenzimmer bleiben vorerst gesperrt
Raumluftmessungen waren veranlasst worden, nachdem in den Containern schon vor den Sommerferien, besonders bei Hitze, ein deutlicher Geruch nach Lösungsmitteln, Weichmachern oder ähnlichen Substanzen wahrnehmbar gewesen war. Die Untersuchungen wiesen mehrere flüchtige organische Verbindungen nach, insbesondere eine erhöhte Konzentration von 2-Ethylhexanol. Betroffen sind auch zwei Einheiten, die erst in den Sommerferien errichtet wurden.
Konkrete Grenzwerte wurden laut Landkreis nicht überschritten. Auf Empfehlung des Gutachters untersagte der Kreis die Nutzung dennoch vorsorglich. Gesundheitsamt und ein unabhängiger Arbeitsmediziner gehen davon aus, dass durch die bisherige Nutzung aller Wahrscheinlichkeit nach keine gesundheitlichen Schäden über Geruchsbelästigungen oder kurzfristige Schleimhautreizungen hinaus zu erwarten sind. Beide Stellen rieten trotzdem von einer weiteren Nutzung ab.
Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Schadstoffe durch eine chemische Reaktion von Feuchtigkeit, Kleber und Bodenbelag entstanden sind. Ein am 14. Oktober vorgelegter Abschlussbericht bestätigt diese Vermutung im Wesentlichen und empfiehlt eine Sanierung. Eine kurzfristige Wiederaufnahme des Unterrichts in den Containern ist nicht möglich. Auch Luftreinigungsgeräte, ein angepasstes Lüftungskonzept oder eine einfache Bodenversiegelung kommen als kurzfristige Lösungen nicht infrage.
Untersuchte Spielfläche und Schulgarten abgesperrt
Anlass der Bodenuntersuchungen war die geplante Umgestaltung einer Spielfläche mit Erdmaterial von einem seit Jahrzehnten bestehenden Wall entlang der südlichen Grundstücksgrenze. In einer Mischprobe des Materials wurde der Prüfwert für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) überschritten. Laut gutachterlicher Bewertung ergibt sich daraus kein unmittelbarer Handlungsbedarf; für die geplante Spielfläche darf das Material jedoch nicht verwendet werden.
Auf der untersuchten Spielfläche im Nordosten des Schulgrundstücks wurden zudem PFAS nachgewiesen. Die gesetzlich festgelegten Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung zeigten bei den Untersuchungen keine Auffälligkeiten. Für PFAS im Wirkungspfad Boden-Mensch liegen seit April 2026 rechtlich noch nicht verbindliche Prüfwertvorschläge des Umweltbundesamtes vor, die eine Einzelfallbewertung erfordern.
Das Gesundheitsamt legt wegen der Nutzung als Kinderspielfläche vorsorglich die strengsten dieser Vorschläge zugrunde. Es empfiehlt, die untersuchte Bodenfläche und den angrenzenden Schulgarten bis auf Weiteres zu sperren. Beide Bereiche sind mit Bauzäunen und Absperrbaken abgetrennt. Die befestigten Flächen, darunter die asphaltierte Spiel- und Bewegungsfläche sowie die Sandspielflächen, bleiben uneingeschränkt nutzbar.
Weitere Bodenproben geplant
Bisher wurde nur der nordöstliche Grundstücksbereich untersucht. Weitere Bodenproben sollen Flächen neben dem Schulhof im Südwesten, Bereiche des Kindergartens sowie eine genauere Untersuchung der bereits gesperrten Stellen umfassen. Die Probenahmen sollen schnellstmöglich beginnen. Mit Laborergebnissen und einer gutachterlichen Bewertung rechnet der Kreis voraussichtlich im November.
PFAS sind eine große Gruppe industriell hergestellter Chemikalien, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften unter anderem in Textilien, Beschichtungen und bestimmten Löschschäumen eingesetzt werden. Viele bauen sich in der Umwelt kaum ab und werden deshalb „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Einige PFAS können sich im menschlichen Körper anreichern und gesundheitsschädlich wirken. Das Risiko hängt von der jeweiligen Substanz und ihrer Konzentration sowie von Art und Dauer der Aufnahme ab. Ein Nachweis im Boden bedeutet nicht automatisch eine unmittelbare Gesundheitsgefahr; erforderliche Schutzmaßnahmen sind anhand der Untersuchungsergebnisse zu bewerten.
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